10 Jahre Friedensabkommen in Kolumbien: Zwischen Fortschritt und neuer Gewalt

Shownotes

Zehn Jahre nach dem historischen Friedensabkommen in Kolumbien: Was wurde erreicht, was wurde versprochen – und was steht jetzt auf dem Spiel?

Zitat der Folge

"Auf der sozialen Agenda fing man wieder an, von Gerechtigkeit zu sprechen, von Bildung und Gesundheit. Die Gewalt hat man aus dem Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gedrängt und das hat Kolumbien erlaubt, wieder über Rechte zu sprechen. Der Staat reichte dorthin, wo er vorher nicht hinkam. Dort, wo man das Friedensabkommen umsetzte und über dreizehntausend Männer und Frauen ihre Waffen niederlegten, entstanden Orte der Versöhnung und Begegnung."

Elisabeth Moreno, Menschenrechtsverteidigerin und Koordinatorin von FISCH (Foro Interétnico Solidaridad del Chocó)

Episodenbeschreibung

In Berlin hat im Oktober eine zweitägigen Fachtagung stattgefunden mit dem Titel „10 Jahre Friedensabkommen in Kolumbien: Zwischen Fortschritt und neuer Gewalt“. Organisiert von der Heinrich-Böll-Stiftung gemeisam mit der Friedrich-Ebert-Stiftung und Mitgliedsorganisationen der Deutschen Menschenrechtskoordination Kolumbien. Bei der Tagung ging es um zwei große Fragen. Wo stehen wir zehn Jahre nach der Unterzeichnung des historischen Friedensabkommens zwischen der FARC und dem kolumbianischen Staat? Und: Was können wir tun, damit der Friedensprozess weitergeht-auch unter einem neuen Präsidenten- der auf Gewalt als Mittel der Wahl setzt.

Kapitel mit Zeitmarkierungen

• (00:00:00) – Intro

• (00:01:23) – Hintergrund: Was macht das Friedensabkommen historisch?

• (00:03:52) – Die vier Ursachen des Konflikts

• (00:07:38) – Zehn Jahre später: Eine widersprüchliche Bilanz

• (00:08:36) – Landreform: Fortschritte und ihre Grenzen

• (00:10:05) – Stimme aus dem Chocó: Frieden, der nicht ankam

• (00:13:10) – Deep Dive: Gender und politische Partizipation

• (00:22:09) – Die Madres Buscadoras und ihre Erinnerungsarbeit

• (00:27:51) – Bewaffnete Gruppen und die Politik der harten Hand

• (00:31:11) – Appell an die internationale Gemeinschaft

Unsere Gesprächspartner*innen

Martha Carvaljalino

• Juristin und Politikerin, ehemalige Landwirtschaftsministerin Kolumbiens (Juli 2024-August 2026)

Elisabeth Moreno

• Menschenrechtsverteidigerin und Koordinatorin von FISCH (Foro Interétnico Solidaridad del Chocó)

Diana Salcedo

• Direktorin der kolumbianischen Sektion der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit (LIMPAL)

Oscar Ramirez

• Direktor vom Comité de Solidaridad con los Presos Políticos

Autorin der Folge: Lukasz Tomaszewski

Host der Folge: Julia Eikmann

Hintergründe auf boell.de

• Kolumbiens Schicksalswahl: Entscheidung über Demokratie, Sicherheit und sozialen Wandel: [🔗 https://www.boell.de/de/2026/06/23/kolumbiens-schicksalswahl-entscheidung-ueber-demokratie-sicherheit-und-sozialen-wandel]

• 10 Jahre Friedensabkommen Kolumbien: Diskussion auf Youtube: [🔗 https://www.youtube.com/watch?v=4qpU0FJ-mFk&t=2655s]

Weiterführende Artikel und Quellen

• Kolko: Menschenrechte für Kolumbien: [🔗 https://www.kolko.net/]

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Grafik: Francisco Veronesi, CC BY-SA 2.0, Bearbeitung: hbs

Transkript anzeigen

00:00:00:

00:00:06: Auf der sozialen Agenda fing man wieder an von Gerechtigkeit zu sprechen, von Bildung und Gesundheit.

00:00:12: Die Gewalt hat man aus dem Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gedrängt – und das hat Kolumbien erlaubt, wieder über Rechte zu sprechen!

00:00:19: Der Staat reichte dorthin, wo er vorher nicht hinkam.

00:00:23: Dort, wo man das Friedensabkommen umsetzte und über dreizehntausend Männern und Frauen ihre Waffen niederlegten entstanden Orte und Begegnung.

00:00:33: Und zum ersten Mal seit vielen Jahren haben wir durch eine Vielzahl von Stimmen, Begegnungen und durch die Unterschiedlichkeit eine Geschichte erzählt, die es dem Land erlaubt hat zu erfahren was passiert ist.

00:00:45: Uns dort so begegnen wo die Geschichte des Blutes und des Krieges uns zuvor alles hat vergessen

00:00:50: lassen.".

00:00:55: Das sagte Marta Kawahalino auf dem Podium der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin.

00:01:01: Sie war bis Juli die Landwirtschaftsministerin Kolumbiens in der Regierung von Gustavo Petro.

00:01:07: Die Fachtagung Zehn Jahre Friedensabkommen in Kolumbien zwischen Fortschritt und Neuergewalt hat die Heinrich-Böll-Stiftung gemeinsam organisiert mit der Friedrich Ebert Stiftung und Mitgliedsorganisationen der Deutschen Menschenrechtskoordination Kolumbian.

00:01:23: Bei der Veranstaltung ging es vor allem um zwei große Fragen Erstens, wo stehen wir zehn Jahre nach der Unterzeichnung des historischen Friedensabkommens zwischen der FARC und dem kolumbianischen Staat?

00:01:37: Und zweitens – was können wir tun, damit der Friedensprozess weitergeht auch unter einem neuen Präsidenten, der auf Gewalt als Mittel der Wahl setzt.

00:01:48: Mein Kollege Wukasz Tomaszewski hat die Konferenz besucht und sich mit dem Thema beschäftigt.

00:01:53: Hallo Wukas!

00:01:58: Podcast.

00:02:00: Der Podcast der Heinrich Bayer Stiftung.

00:02:04: Lukas, du hast ja eine ganz persönliche Geschichte mit Kolumbien und auch mit dem Friedensprozess.

00:02:09: erzähl mal!

00:02:09: Ja

00:02:10: ich bin im Land schon wirklich sehr lange verbunden.

00:02:12: zum ersten Mal war ich als Austauschfühler tatsächlich dort das war in deiner Hundert neunundneinzig und dann bin ich mehrmals wiedergekommen als Journalist weil ich auch auf einer Recherche reise mit einer Gruppe von KollegInnen Als dieser Friedensvertrag tatsächlich unterzeichnet wurde, wir haben live berichtet und Hintergrundgeschichten geschrieben in mehreren Regionen.

00:02:34: In der Hauptstadt Bogotá haben wir z.B.

00:02:36: Politiker und ehemalige Grilleros getroffen an der Karibiküste binnenvertriebene und ehemeilige Paramilitärs- und Medellinkulturschaffende und Menschen die sich durch diesen Friedens Vertrag auch eine bessere wirtschaftliche Zukunft versprochen haben.

00:02:51: also ich habe damals schon einfach gemerkt wie unglaublich kompliziert und dann auch umfassend dieser ganze Prozess wird, der als historisch gefeiert wurde.

00:03:00: Ich sehe schon du steckst sehr tief drin in der Materie.

00:03:03: aber damit wir alle auf dem selben Stand sind warum geht denn das Friedensabkommen als historische?

00:03:09: was macht es so besonders?

00:03:10: Vor zehn Jahren unterzeichnete Kolumbien das historische Friedensabkommen mit der FARC, einer maxistischen Gerier die jahrzehntelang mit Waffengewalt gegen die Regierung und den Staat gekämpft hat.

00:03:23: Das waren zur Zeit der Auflösung im Jahr zehntausendseinzehn drei Zehntausend sechshundertneuen Kämpferinnen und Kämpfe.

00:03:31: Um die Jahrtausenwende waren es noch an die zwanzig Tausenden.

00:03:35: Mit dem Friedensvertrag haben sie nicht nur die Waffen abgegeben, sondern auch ein mehrjähriges Programm durchlaufen um wieder Teil der Gesellschaft zu werden.

00:03:45: Das Wiedereingliederungsprogramm setzt auf gemeinschaftliche Reintegration der ehemaligen Fahrkämpferinnen und Kämpfer – dafür brauchte es natürlich eine Übergangsjustiz, die heute auch international wirklich als richtige Referenz für andere Friedensprozesse gilt!

00:04:01: Das Besondere an diesem Abkommen ist, dass die Farg zusammen mit kubanischen Diplomaten in den internationalen Organisation und einer breiten Zivilgesellschaft im Vertrag durchgesetzt haben.

00:04:12: Dass die strukturellen Ursachen des bewaffneten Konflikts benannt werden – und das mit der Unterzeichnung versucht wird diese Ursachen auch zu beseitigen!

00:04:21: Und was waren die Ursachen für den Konflikt?

00:04:24: Ich meine, wir sprechen ja über fast sechzig Jahre Bürgerkrieg mit über vierhundertfünfzig Tausend Toten und etwa acht Millionen Binnenvertrieben.

00:04:33: Denn was waren da die Ursache?

00:04:35: In der Literatur werden meist Vierursachen benannt im Schnelldurchlauf.

00:04:39: Wichtigste Ursache ist die extreme Ungleichverteilung von fruchtbarem Land.

00:04:44: Wenige Großgrundbesitzer besitzen den Großteil, während jahrzehntelang Kleinbauern und Bäuerinnen von ihrem Land vertrieben wurden.

00:04:52: Kolumbin gilt als das Land mit der größten Ungleichverteilung weltweit – und darum gehörte zum Friedensvertrag eine Landreform dazu unter besonderer Berücksichtigung.

00:05:05: Die politische Landschaft Kolumbiens war historisch extrem polarisiert, zwischen liberalen und konservativen.

00:05:12: Die Linke wurde weitestgehend außen vorgelassen und ging darum in den Untergrund oder gleich zur Guerilla.

00:05:19: Daher gab es im Friedensvertrag Garantien für die demokratische Oppositionsarbeit und die Einhaltung der rechtehistorisch ausgegrenzter Minderheiten GewerkschafterInnen, UmweltschützerInnen oder auch Vertreterinnen indigener Gemeinschaften.

00:05:33: die sollten nie wieder um ihr Leben fürchten müssen.

00:05:37: Die FARC bekam über zwei Legislaturperioden sogar eigene Abgeordnete im Parlament zugesichert und die ehemaligen CombatantInnen bekamen Umschulungen und psychologische Betreuung.

00:05:49: Und du hast von vier Ursachen gesprochen?

00:05:51: Was war die dritte?

00:05:52: Kolumbien

00:05:53: ist ein riesiges Land mit unterschiedlichster Topografie von den Anden bis zum Amazonas Becken, extrem viele abgelegene Landstriche wo der Staat eigentlich kaum so richtig hinkommt.

00:06:03: Mit Militär und Polizei mit Justiz Bildung Gesundheit und Infrastruktur – sehr schwierig für die Menschen vor Ort natürlich!

00:06:10: Sehr einfach allerdings für kriminelle Organisationen, Paramilitärs und Guerillas, die alle an diesen Orten vom Machtvakuum profitieren.

00:06:20: Darum sah das Friedensabkommen auch vor, mehr staatliche Zuständigkeit in diese abgelegenen Regionen zu bringen.

00:06:27: Teils mit Erfolg wie wir schon im Anfangston der ehemaligen Landwirtschaftsministerin gehört haben!

00:06:33: Und die vierte Ursache?

00:06:34: Die Kultur der Gewalt.

00:06:36: Konflikte wurden in Kolumbien historisch selten politisch sondern meist mit Gewalt gelöst – ein ewiger Kreislauf den das Friedenzabkommen richtig zu durchbrechen versuchte… Durch die Entwaffnung der FARC, aber auch im anschließenden Prozess durch Gespräche mit der immer noch aktiven Gerier ELN und durch Verhandlungen mit der organisierten Kriminalität und dem Paramilitärs.

00:07:01: Das war die Strategie von Gustavo Petro – der linke Präsident war selbst mal Gediero und hat mit seinem Konzept passt total also der totale Frieden eben versucht alle Parteien an einen Tisch zu bekommen!

00:07:14: Die strukturellen Herausforderungen dieses Ansatzes waren enorm.

00:07:18: Die Gewalt nahm in vielen Regionen sogar zu, teils gab es aber auch temporäre Entlastungen.

00:07:24: Seit August-Zweißensechstenzwanzig wird Kolumbien von dem ultrarechten Präsidenten Abelardo de la Espriere regiert – er ist auf einer Linie mit Donald Trump und setzt auf eine Politik der harten Hand!

00:07:38: Also von einem Linken zu einem Ultrarechtenpräsidenten.

00:07:41: ist das auch ein Ergebnis des Friedensabkommens oder andersrum?

00:07:45: gefragt, wie fällt denn jetzt das Fazit aus nach zehn Jahren Friedens-Abkommen?

00:07:49: Es zeigt sich wirklich ein widersprüchliches Bild.

00:07:51: Einerseits gab es wichtige Fortschritte bei der Rückgabe von Land an die landlosen Bauern und Bäuerinnen sowie Vertriebenen – bei der Beteiligung von Frauen, Indigenvölkern.

00:08:03: Andererseits gefährden Gewalt, organisierter Kriminalität und strukturelle Schwäche des Staates die Konsolidierung.

00:08:13: Aber hören wir doch einfach mal rein, was die Expertinnen und PraktikerInnen auf der Fachtagung in Berlin berichtet haben.

00:08:19: Gerade im Bereich Landreform hat sie im Sommer abgewählte Regierung des Linken Präsidenten Gustavo Petro einiges vorzuweisen – das hat die verantwortliche ehemalige Landwirtschaftsministerin Marta Carvalino erzählt!

00:08:36: Von den drei Millionen Hektar haben wir über eighthundertsechzigtausend Hektars in den nationalen Landfonds eingegliedert.

00:08:43: Wir konnten dreihundertvierzigtausende Hektare Land übergeben.

00:08:46: Vierhunderttausenden Hektares Land haben wir von privaten Akteuren gekauft und von der organisierten Kriminalität

00:08:52: übernommen.".

00:08:53: Zwei Komma zwei Millionen Hektar haben wir formalisiert und übergeben an indigene Völker, an afro-kolumianische Gemeinden ethische Minderheiten.

00:09:01: Aber auch nach diesem Kraftakt bleibt die Ungleichverteilung vorherrschend.

00:09:07: Marta Carvachaino sagt durch die Umverteilungen der Ländereien – die sogenannte Redistributionen hat es einen großen ökonomischen Sprung für die Landbevölkerung gegeben aber auch für den landwirtschaftlichen Sektor insgesamt.

00:09:21: Die Anbauflächen sind stark gewachsen und dadurch ist das Produktionsvolumen von Lebensmitteln auch so groß wie noch nie zuvor.

00:09:29: Die ländlichen Regionen haben durch den Friedensprozess also eine zweite Chance bekommen, fast sie in ihrer Kino zusammen.

00:09:36: Aber die Ungleichverteilung war auch so massiv dass man immer noch weit entfernt sei vor einer gerechten Verteilung.

00:09:44: Also

00:09:44: im Bereich der Landreform ist viel passiert aber nicht genug?

00:09:48: Wie sieht es denn in den anderen Bereichen aus?

00:09:51: Auf der Bühne saß auch Elisabeth Moreno.

00:09:53: Sie ist Menschenrechtsverteidigerin und Koordinatorin vom Foto Interetnikosolidaridad del Choco, das ist die afro-kulumbianisch dominierte Region an der Pazifik-Küste.

00:10:05: Sie hat erzählt, was sich für die lokale Bevölkerung verändert hat in den letzten zehn Jahren.

00:10:10: Und gleich am Anfang sagt sie ...

00:10:15: Der bewaffnete Konflikt hat in Chocot nie aufgehört – der Frieden ist an der kolumbianischen Pazifikküste nicht angekommen.

00:10:23: Sie hat von einem Leben wie im Lockdown erzählt, wo Menschen wegen der Gewalt der bewaffneten Gruppen ihre Häuser nicht mehr verlassen können um sich um ihre täglichen Belange zu kümmern.

00:10:33: Eine Sache sei es, was man über den Zustand des Friedensprozesses so berichten würde und eine andere Sache sei die Realität der lokalen Bevölkerung.

00:10:42: Gerade von der versprochenen basisdemokratischen Bürgerinnenbeteiligung zeigt sie sich enttäuscht.

00:11:11: dann muss das so wie hier sein.

00:11:13: Ein Gespräch, wo unsere Vorschläge die Vorschlage der Frauen und der Jugendlichen am Ende auch Sinn

00:11:18: ergeben.".

00:11:22: Elisabeth Moreno's Kritik umfasst ihr zwei wichtige Felder.

00:11:26: Die versprochene politische Partizipation ist nicht zu genüge eingetreten.

00:11:31: Es gebe zwar neugeschaffende Diskussionsräume für vulnerable Gruppen, aber die dort entstandenen Ideen würden am Ende nicht wirklich implementiert werden – kann man vielleicht vergleichen mit der Kritik an Bürgerritten?

00:11:45: Demokratie ist schön und gut, aber getroffenen Beschlüsse müssen dann auch bindend sein!

00:11:51: Und Elisabeth Moreno kritisiert, dass gerade Frauen auf dem Land Ehefrauen und Mütter von Opfern des Bürgerkrieges nach wie vor nicht gehört werden.

00:12:01: Sie bezieht sich in ihrem Appell auch an die neue rechte Regierung von Abelardo de la Esprella und kritisiert die Politik der harten Hand.

00:12:10: Die Entsendung des Militärs auf das Land, die stelle noch keine Staatlichkeit her und der wiederaufgenommenen Einsatz vom Glyphosat gegen Kokerpflanzen würde nur der Landbevölkerung

00:12:22: schaden.".

00:12:23: So weit also ein erster Überblick zur Historie des Konflikts positiven, aber eben auch zu den negativen Zwischenergebnissen in den Bereichen Landreform und politische Partizipation.

00:12:34: Und ich muss sagen es bleibt offenbar kompliziert.

00:12:37: die unterschiedlichen Ebenen des Konflikts lassen sich ja gar nicht so richtig scharf voneinander abgrenzen.

00:12:42: also zum Teil greifen sie regelrecht ineinander oder überlappen sich also zb.

00:12:47: eine Frau auf dem land die kann ja gleichzeitig von Gewalt Vertreibung und politischer Repression betroffen sein.

00:12:54: Aber wir wollen jetzt noch mal einen Deep Dive machen.

00:12:57: Dafür hast du dich mit zwei Vertreterinnen von Partnerorganisation der Heinrich-Böll-Stiftung zu einem längeren Interview getroffen, im Fokus standen Gender und politische Partizipation.

00:13:08: Mit wem hast Du dich getroffen?

00:13:10: Es handelt sich um Oscar Ramirez, er ist Direktor des Komitees für Solidarität mit dem Politischen Gefangenen und um Diana Salcedo Direktorin der kolumbianischen Sektion der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit, Lim Pall.

00:13:26: Fangen wir mal mit ihr an!

00:13:28: Das Friedensabkommen vor zehn Jahren war auch darum besonders weil es erstmals eine umfassende Genderperspektive einnahm und eine Subkommission für Gender eingerichtet wurde.

00:13:39: Ich wollte erst mal von Diana wissen, was sich eigentlich aus der Perspektive ihrer Organisation in Sachen Frauenrechten so verändert hat.

00:13:46: Und sie sagt dass die Herausforderung darin besteht eine Kultur des Friedens zu etablieren und soziale Transformation voranzubringen.

00:13:56: Was meinst du damit konkret?

00:13:57: Nach zehn Jahren warte ihre Organisation immer noch darauf das die Gleichstellungsversprechen Das Wichtigste sei es, Frauen in Kolumbien ein Leben ohne Gewalt zu garantieren.

00:14:10: Sie hat mir von einem positiven Beispiel einer Frau aus der ehemaligen Bürgerkriegsregion San José de Guavare erzählt wie es vorher war und jetzt ist.

00:14:23: Sie musste immer Kleidung tragen, in der sie sofort das Haus verlassen konnte und in der die mehrere Tage lang bleiben konnte.

00:14:29: Denn durch wiederkehrende Bombardements und territoriale Kämpfe wusste sie wieder mal aus dem Haus fliehen musste.

00:14:36: Nach dem Friedensschluss war für sie die Tatsache, ein Pyjama tragen zu können.

00:14:41: Ein substanzieller Wandel in ihrem Leben.

00:14:43: Dank der Unterzeichnung des Friedensabkommens können viele Schülerinnen zurück in die Klassenzimmer.

00:14:49: Sie können sich frei auf den Straßen bewegen und am Gemeinschaftsleben teilnehmen.

00:14:53: Das ist ein wichtiger Wandel für uns.

00:14:57: Was aus Frauenperspektive nicht geklappt habe sagt Diana sei die Redistribution von landwirtschaftlichen Nutzflächen durch die Behörden Jedenfalls nicht gut genug.

00:15:07: Frauen hatten in den ländlichen Regionen kaum Landrechte, das Abkommen sieht zwar die bevorzugte Vergabe neuer Nutzflächen an Bäuerinnen vor – aber in der Realität klappt es nichts, sagt Diana.

00:15:19: Frauen würde im Durchschnitt weniger land zugesprochen werden als Männern und dieses Land sei dann auch noch weniger fruchtbar als das Land dass Männer bekommen.

00:15:28: Das führe zu einem neuen Abhängigkeitskreislauf weil Frauen dadurch höhere Kredite aufnehmen müssten.

00:15:35: Ein anderes Negativbeispiel aus der Praxis sei die Anerkennung sexualisierter Gewalt.

00:15:40: Das Abkommen behandelt sexuelle Gewalte als Verbrechen gegen die Menschlichkeit, für das es keine Amnestie geben kann!

00:15:47: Die Sondergerichtsbarkeit für den Frieden wurde mehrheitlich mit Richterinnen besetzt, zudem sichert eine spezielle Untersuchungskommission für Genderfragen das geschlechtsspezifische Verbrechen priorisiert werden.

00:16:01: Das juristische Gerüst als notwendige Voraussetzung könnte man sagen steht also – aber gerade wenn die mutmaßlichen Täter nicht Guerilleros oder Paramilitärs sondern Mitglieder der regulären Streitkräfte waren dann kommt dieses Gerüst ins Wanken!

00:16:17: Da

00:16:17: kommt die Barriere des Obstakulums und es ist, dass es nicht gibt.

00:16:21: Die Hürde ist, dass es nicht genügend Beweise gibt zu denen wir Zugang haben um die Verantwortung in Fällen der sexuellen Gewalt zuzuschreiben.

00:16:29: Aktuell sind wir an einem herausfordernden Moment für die Sondergerichtsbarkeit.

00:16:33: Das kann bedeuten das die Anfragen der Opfer sexueller Gewalt die von öffentlichen Sicherheitskräften begangen wurden nicht beantwortet werden und das bedeutet größere Herausforderung bei den Ermittlungen.

00:16:50: de la Espriere, kann die Sondergerichtsbarkeit nicht so einfach abschaffen.

00:16:54: Dafür gibt es einfach wahnsinnig hohe Hürden – aber er könnte sie finanziell theoretisch austrocknen!

00:17:01: Sollte das wirklich eintreten, dann würde die Ahndung sexueller Gewalt als Kriegsmittel sehr

00:17:06: schwer.".

00:17:07: Dianasalcedo kritisiert außerdem eine durch Machismo und patriarchales Denken strukturierte Justiz.

00:17:14: Die Aussagen von Frauen würden oft nicht ernst genommen und dadurch entwertet….

00:17:19: Die Staatsanwaltschaft verschiebe Fälle sexueller Gewalt immer wieder auf die lange Bank.

00:17:23: Ein strukturelles Problem, sagt Diana.

00:17:41: Genau wie schon Diana ist er eher ambivalent und, wie sie fängt auch erst mal mit den Errungenschaften an.

00:17:48: Er nennt den aktuellen Zustand einen nicht perfekten Frieden – pass ihm Perfekt!

00:17:54: Der sei aber besser als jede andere Art des offen ausgetragenen Konflikts.

00:17:59: Als Beispiel nimmt er die Sondergerichtsbarkeit.

00:18:02: Durch ihre Arbeit hätten die Opfer des Konflikts ein bisher nicht gekanntes Ausmaß an Gerechtigkeit erfahren.

00:18:09: In der Justice Ordinaria seobten Imputationen

00:18:12: für altem Mann von den Guerrillas.

00:18:15: Innerhalb

00:18:15: der regulären Rechtssprechung gab es Anklagen gegen Befehlshaberle, guerrillas oder Aufständischen – aber fast immer ohne die Anerkennung der Wahrheit und es geschah in Form von zweifelhaften Gerichtsverfahren.

00:18:26: Die Sondergerichtsbarkeit hat stattdessen dreihundertfünfundsechzig hochrangige Verantwortliche angeklagt, Und diese Verantwortlichen bekennen sich schuldig Menschenrechtsverletzungen begangen zu haben.

00:18:36: Sie geben Auskunft über den Verbleib der sterblichen Überreste der Opfer und sie geben Aus künft über den Hergang der Taten die so schmerzhaft sind für die Opfer & ihre Familien.

00:18:44: Ich denke also das ist eine positive Entwicklung in der Überwindung der Straflosigkeit.

00:18:51: Oscar Ramirez sagt, dass die Arbeit der kolumbianischen Sondergerichtsbarkeit zu einer höheren Aufklärungsrate geführt hat als jede andere Sondererrichtbarkeit vor ihr.

00:19:02: Das sei insgesamt ein Fortschritt für die Justiz und trage dazu bei, die Vermissten des Konflikts zu finden!

00:19:08: Außerdem fördere es demokratische Prozesse, da die Streitkräfte und die Polizei verpflichtet werden ihre Straftaten offen zu legen.

00:19:17: Und auch mit der Gesellschaft zu diskutieren.

00:19:20: Also durch die Verpflichtung, die Wahrheit offen zulegen profitiert am Ende auch die Demokratie.

00:19:25: das ist ja nachvollziehbar.

00:19:27: Das ist etwas dass wir in Südafrika sehen konnten als dort eine nach der Apartheitein berufende Wahrheitskommission geholfen hat diese alten Wunden zu heilen.

00:19:36: Aber du hast gesagt, Oscar Ramirez sieht die Ergebnisse des Friedensprozesses ambivalent.

00:19:41: Was ist denn da die Kehrseite jetzt?

00:19:43: Er unterschreicht noch mal die Ebene, die schon die Menschenrechtsverteidigerin Elizabeth Moreno aus dem Choco kritisiert hat – also dass die Staatlichkeit es nicht geschafft hat bis in die entlegensten Regionen.

00:19:59: Der Colombianische Staat war nicht in der Lage, in die abgelegensten Regionen des bewaffneten Konflikts vorzudringen und die Verfestigung der Institutionen dort durchzusetzen.

00:20:08: Die die wichtigsten sozialen Rechte betreffen Gesundheit Bildung Zugang zu Justiz.

00:20:13: Dieses Versagen wurde als eine der Ursachen des Konfliks gesehen aber das Problem besteht fort.

00:20:18: Der Colombienische Staat bleibt schwach Und ein Friedensabkommen wird die institutionelle Schwäche in unserem Land nicht auflösen.

00:20:27: Auch nach Unterzeichnung des Abkommens wurden fast zweitausend sogenannte Lieder des Soziales von paramilitärischen Gruppen, bewaffneten Gruppen sowie Nachfolgeorganisationen der FARC ermordet.

00:20:39: Das sind Gewerkschafterinnen, MenschenrechtsverteidigerInnen, UmweltschützerInnen und indigene VertreterInnen.

00:20:46: Man muss es wirklich so klipp-und klar benennen – das sind politische Morde!

00:20:51: Oskar hat mir auch von Demonstrierenden erzählt, die heute noch in den Territorien Opfer von staatlichen Repressionen werden.

00:20:59: Dabei handelt es sich zum Beispiel um Menschen, die sich gegenmächtige Erdölkonzerne wehren.

00:21:05: Die Verfassung gewährt ihnen eigentlich das Recht auf Protest aber die Behörden kriminalisieren diese regelmäßig und begegnen ihn mit Antiterrorgesetzen.

00:21:17: Die Staatsanwälte, die die Prozesse beginnen sind Staatsanwelten, die direkt von den Erdölunternehmen bezahlt werden.

00:21:23: Da der kolumbianische Staat ein imperfekter Staat ist, der nicht genügend Geld hat um seine Institutionen in den Territorien zu finanzieren, bezahlen die Erdöhlunternehmen oder Minenbetreiber diese Büros.

00:21:33: Eigentlich sollen diese Staatsanwälte diejenigen verfolgen, die illegalen Raubbau betreiben.

00:21:38: Aber durch eine Investigativ-Recherche haben wir herausgefunden, dass sie am Ende Liede des Soziales und MenschenrechtsverteidigerInnen verurteilen, die sich gegen die Erdölunternehmen

00:21:48: wehren.".

00:21:49: Hier werden also nicht nur einfach Mittelzweck entfremdet sondern es findet eine regelrechte Täter Opferumkehr statt.

00:21:56: Und darum sagt Oscar Ramírez meine Bilanz ist also auf der einen Seite positiv Negativ.

00:22:04: Ja, ein imperfekter Frieden eben dieser Begriff ist auf jeden Fall bei mir hängen geblieben.

00:22:09: ich würde jetzt gerne nochmal einen Blick auf die Rolle der Frauen bei diesem Friedensprozess werfen.

00:22:14: bekannt sind ja die Madres Buscadoras Die Mütter die nach ihren verschwundenen Kindern und Familien suchen.

00:22:21: gibt es hier Bewegung?

00:22:22: bekommen diese Frauen Jetzt die benötigte Unterstützung.

00:22:26: Das Abkommen regelt auch spezifische Programme für Mütter, eine besonders wichtige Rolle spielen dabei die sogenannten Madres Buscadoras.

00:22:34: Da sind Müttern, die nach ihren verschwundenen Kindern und Familien suchen.

00:22:38: Wir sprechen hier von Zivilenopfern Die während des Konflikts durch eine der Parteien ermordet Und ihre sterblichen Überreste irgendwo verscharrt wurden im Wald, im Tümpel auf der Mülldeponie im Meer.

00:22:51: Dafür gibt es in Leiteren Amerika einen Begriff nämlich des Apadesidos also die Verschwundenen.

00:22:58: Für die Angehörigen ist das natürlich besonders schmerzhaft wenn sie nicht wissen warum ihre Angehöhrigen plötzlich verschwunden sind ob sie noch leben und wo sie sind und Jahrzehnte lang für Wahrheit und Gerechtigkeit kämpfen.

00:23:11: Durch politischen Druck tragen die Madres Buscadoras dazu bei, dass das Verschwinden lassen im Rahmen des Friedensprozesses nicht einfach vergessen wird.

00:23:20: Diana Salcedo hat mir erklärt wie ihre Erinnerungsarbeit aussieht und wie sie die Gesellschaft bereichert.

00:23:26: Sie vergleicht es mit der Suche nach Vermissten, nach einer Naturkatastrophe.

00:23:33: Normalerweise sucht man in einer Gesellschaft eine verschwundene Person zwei und siebzig Stunden – dann hört man auf!

00:23:40: Die Mucher des Buscadoras haben uns beigebracht, dass man weiter suchen muss bis der Körper gefunden

00:23:45: ist.".

00:23:46: Es geht aber nicht nur um das Auffinden des physischen Körpers, sondern auch darum eine Erzählung darüber zu schaffen was zu diesem Verschwinden geführt hat.

00:23:54: Das kann auch auf künstlerischem oder musikalischem Weg passieren.

00:23:58: es geht aber auch darum die Erinnerung an die gesuchte Person wiederzuerlangen und die einzelnen Schritte im Leben nachzuzeichnen.

00:24:05: durch Dokumentationen machen die Mütter genau dass!

00:24:09: Aber es sind nicht nur Müttern, es sind auch Töchter die verwandten, sondern ihre Partnerin und die Community.

00:24:22: Mit dieser Arbeit unterstützten sie die Aufarbeitung des Konflikts.

00:24:26: im Juni-Zwanzig-Vierundzwanzig wurde das Gesetz Lady Mujeres Buscadoras also das Gesetz für suchende Frauen verabschiedet.

00:24:34: Dieses schützt diese Frauen und ihre wichtige

00:24:37: Erinnerungsarbeit.".

00:24:39: Jetzt gab es ja nicht nur in der Zivilbevölkerung Frauen, auch bei der FARC haben Frauen gekämpft.

00:24:45: Was kannst du zu der geplanten Reintegration der Gerieras sagen?

00:24:49: Genau für die Wiedereingliederungen der ex-FARC Gerieraz gab es von Beginn an Bildungsangebote, psychosoziale Betreuung für Traumata und auch Umschulungen.

00:24:59: Das Bewusstsein dafür ist am Verhandlungstisch in Havana entstanden.

00:25:04: Es war zunächst gar nicht so einfach, einen befehlshabenden Guerillera mit einer Frau an ein Tisch zu setzen, deren Angehörige von der Farg getötet wurden hat mir Diana Salcedo erzählt.

00:25:15: Aber durch die Erlebnisberichte sei auch schrittweise die Empathie für diese Ex-Guerilleras gewachsen – nach und nach hätten sie immer mehr von sich preisgegeben!

00:25:27: Nach zehn Jahren ist es für sie viel einfacher von sexueller Gewalt zu sprechen, nicht nur von Vergewaltigungen sondern auch von unterschiedlichen Formen der Gewalt.

00:25:36: Auch von den patriarchalen Hierarchien und der magistischen Gewalt innerhalb der Gerier.

00:25:41: Das war ein Jahr nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens nicht möglich.

00:25:45: Heute, zehn Jahre später können wir sagen das ist ein großer Zugewinnen dass Sie diese Geschichte überwinden konnten eine andere Geschichte geschrieben haben.

00:25:59: Diese Wunden heilen also, aber es ist eben ein Prozess der wirklich Jahre dauert.

00:26:04: Offenbar du hast das ja bereits gesagt Es gibt Fortschritte Aber der Weg ist noch weit.

00:26:10: Welche Herausforderungen und Perspektiven sehen denn Diana Salcedo und Oscar Ramirez für die nächste Zukunft im Friedensprozess?

00:26:18: Diana sagt, man muss verstehen dass ein Friedensabkommen keine magische Formel ist um die strukturellen Probleme dieses Landes zu lösen.

00:26:27: Als größtes Problem sieht sie nach wie vor die ungleiche Verteilung des Bodens zwischen wenigen Großgrundbesitzern, die fast alles besitzen und einer armen Landbevölkerung, die sich mit dem Ertrag ihrer kleinen landwirtschaftlichen Nutzflächen kaum die eigene Existenz sichern kann.

00:26:44: Diese würden sich darum im Zweifelsfall auch heute noch für den illegalen Anbau von Koka entscheiden müssen!

00:26:51: Die neue Regierung des rechtsextremen Präsidenten Abelardo de la Espriere ist dabei, die Landreform sogar wieder rückgängig zu machen.

00:27:12: Am

00:27:25: Ende muss man leider feststellen, der bewaffnete Konflikt geht auch nach zehn Jahren Friedensprozess weiter.

00:27:32: Auch wenn dreizehntausend Kämpfer – die ja demobilisiert sind – haben sich Splittergruppen gebildet, die den bewaffneten Kampf fortsetzen.

00:27:40: Neben diesen Splitter-Gruppen kämpfen auch rund zehn große kriminelle bewaffneter Organisation in zwei Drittel des Landes um die territoriale Kontrolle.

00:27:50: Dies wird maßgeblich durch den illegalen Drogenhandel finanziert.

00:27:55: Darum sagt Oscar Ramírez Der

00:28:00: erste Ankerpunkt, den wir brauchen um den Frieden in Kolumbien zu erreichen ist ein Dialog aller politischen sozialen ökonomischen militärischen und kriminellen Sektoren.

00:28:09: Und wenn ich sage Wir müssen auch mit den Kriminell reden.

00:28:12: Es gibt eine illegale Ökonomie.

00:28:14: Es gibt Nachfolgeorganisationen der Paramilitärs, es gibt aufständische Organisationen in Kolumbien und all diese Akteure des Konflikts müssen in Dialog treten und auf einen minimalen gemeinsamen Nenner kommen um ein Übergangsszenario hin zum Frieden zu

00:28:28: erlangen.".

00:28:32: Man kann also sagen, Oscar unterstützt die Politik des abgewählten Präsidenten Gustavo Petro und der PAS Total.

00:28:39: Auch er wollte mit allen verbliebenen Konfliktparteien verhandeln – und ist damit gescheitert!

00:28:52: Die Größe davon ist die kriminelle Organisation Klandell-Golfo, eine Nachfolgeorganisation der Paramilitärs.

00:29:04: Ihre Anführer haben Kontakte zu Politik und Militär auf lokaler und regionaler Ebene, sagt Oscar – und er zeichnet ein düsteres Bild für die Zukunft.

00:29:14: Die Bewaffnung dieser Gruppen würde heute noch schneller voranschreiten als früher.

00:29:19: Ihre Geldquellen seien hauptsächlich der Drogenhandel und der illegale

00:29:23: Minenabbau.".

00:29:24: Das sind in der Tat düstere Aussichten.

00:29:27: Und die Politik des neuen Präsidenten, die scheint ja dann alles andere als

00:29:32: förderlich.".

00:29:33: Der neue Präsident Abelardo de la Espriera verfolgt nun eine Politik der harten Hand.

00:29:39: Es werden keine Verhandlungen oder Friedensgespräche mehr mit kriminellen Gruppen geführt, Militäroperationen und Luftangriffe werden wieder eingeführt und die militärische und geheimdienstliche Zusammenarbeit mit den USA verstärkt.

00:29:53: Oscar spricht von einer großen destruktiven Kraft, die vom neuen Präsidenten ausgeht.

00:29:58: Gerade die neue geostrategische Ausrichtung der US-amerikanischen Außenpolitik in Leiterlande.

00:30:02: Amerika sollte auch Europa besorgen – denn diese unterstützt rechtspopulistischer Hardliner.

00:30:09: Aber er sagt auch, der Espriere hat nur ganz knapp gewonnen und das bedeutet auch dass es viele Menschen in Kolumbien gibt die nicht zurück zur Gewalt wollen.

00:30:20: Es gibt eine große Zivilgesellschaft in Kolumbien, die sich mit anderen Werten identifiziert und die unter Aufbau etwas anderes versteht.

00:30:27: Bis jetzt hat sie sich nicht einschüchtern lassen und sie übt eine aktive Rolle aus – und das ist sehr interessant denn in den anderen sehr autoritären Kapiteln unserer Geschichte hat es das nicht

00:30:36: gegeben.".

00:30:39: Auch Diana ist natürlich besorgt über einen Präsidenten, der sich gerne bewaffnet vor laufender Kamera zeigt und sie sagt dass diese Symbolik nur eine weitere Militarisierung befördere.

00:30:49: Feministische Perspektiven oder Genderpolitik tauchen in seiner Welt gar nicht erst auf.

00:30:54: im Gegenteil seine politische Umgebung die versucht vielmehr die Errungenschaften in Sachen Gleichstellung zurückzudrehen.

00:31:01: Und an dieser Stelle appelliert Diana auch an die internationale Zusammenarbeit.

00:31:06: Sie habe den Friedensprozess nicht nur finanzielle unterstützt, sondern auch mit Inhalten gefüllt – und das dürfen nicht aufhören!

00:31:18: Wir glauben, dass die internationale Zusammenarbeit eine sehr wichtige Rolle spielt.

00:31:22: Sie hat nicht nur ökonomische Ressourcen mobilisiert sie hat auch politische Ideen eingebracht Wege eröffnet für Zustimmung und Dialog und Transparenz Und von den Regierungen Transparenz zu verlangen ist sehr wichtig.

00:31:35: Die internationale Gemeinschaft ist nicht nur dazu aufgerufen, auf Regierungspolitik zu reagieren – sondern Transparens einzufordern über die Mittel, die sie für den Frieden in Kolumbien investiert

00:31:47: hat.".

00:31:49: Ein schöner Schlusssatz von Diana Saizedo wie ich finde, sie nimmt auch die internationalen Kooperationspartner in die Pflicht genau hinzuschauen, wie sich der Friedensprozess weiterentwickelt.

00:32:01: Danke Wukas für diesen Überblick!

00:32:03: Wir haben in dieser Folge vom Böl Podcast auf zehn Jahre Friedensabkommen in Kolumbien zwischen Fortschritt und neuer Gewalt geschaut, die gleichnamige zweitägige Fachtagung in Berlin wurde organisiert von der Heinrich-Böll Stiftung, der Friedrich Ebert Stiftungen sowie Mitgliedsorganisationen der Deutschen Menschenrechtskoordination Kolumbian.

00:32:29: Das war's für heute.

00:32:30: Vielen Dank fürs Zuhören!

00:32:32: Diese Reihe und alle weiteren Podcasts der Heinrich Böll Stiftung könnt ihr auf der Podcast-App Eurer Wahl abonnieren, Für Feedback und Kritik schreibt uns eine Mail an podcast.böll.de Und empfiehlt uns natürlich immer gerne weiter.

00:32:47: Dieser Podcast ist eine Produktion des Audio Kollektives.

00:32:51: In der nächsten Folge geht es hier um menschliche Sicherheit in Nahost wird gerne rein.

00:32:57: Mein Name ist Jule Eichmann, bis zum nächsten Mal beim Böl

00:33:07: Podcast.

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