Politikstile – wie Medien sie deuten und was das mit der Demokratie macht
Shownotes
Wie beeinflussen Politikstile das Vertrauen der Bürger*innen in die Demokratie, und welche Rolle spielen Medien dabei?
Zitat der Folge
"Wer etwas für das Demokratievertrauen tun will in diesen Zeiten […], muss verstehen, wie das Bild von Politik eigentlich bei den Bürgerinnen und Bürgern entsteht, welches Bild sie erreicht."
Ole Meinefeld, Referent Zeitdiagnostik und Diskursanalyse, Heinrich-Böll-Stiftung
Episodenbeschreibung
Der rote Lippenstift von Heidi Reichinnek und das Temperament von Friedrich März – was wir über die persönlichen Stile der Politikerinnen und Politikern wissen, erfahren wir aus den Medien. Emotionale und symbolische Aspekte spielen dabei die größte Rolle; sie prägen das Bild der Deutschen von der Politik. Sachkompetenz oder Erfahrung kommen dabei wenig vor. Außerdem sind die Deutungen von Politikstilen oft negativ eingefärbt. Eine Studie der Heinrich-Böll-Stiftung zeigt, auf welche Zusammenhänge zwischen Politikstilen und dem sinkenden Vertrauen in die Demokratie wir achten sollten: Welche Verantwortung tragen die Medien? Und wie kann man den Menschen ein Bild von Politik vermitteln, das Vertrauen stärkt? Was können Politikerinnen und Politiker dazu beitragen? Das alles wurde bei der Vorstellung der Studie in der Heinrich-Böll-Stiftung diskutiert.
Kapitel mit Zeitmarkierungen
• (00:00) – Einführung: Warum Politikstile und ihr Einfluss auf das Demokratievertrauen
• (00:31) – Definition Politikstile: Emotionale, symbolische, substanzielle und deskriptive Dimensionen
• (03:00) – Symbolik und Emotionen: Medienanalyse am Beispiel Alice Weidel
• (03:41) – Medien und Politikstile: Wie Berichterstattung Vertrauen in Politik beeinflusst
• (05:07) – Substanzielle und deskriptive Dimensionen: Fachkompetenz und gruppenspezifische Merkmale
• (08:59) – Misstrauensgemeinschaften: Wie soziale Medien das Vertrauen in Demokratie untergraben
• (13:04) – Geschlecht und Politikstile: Unterschiede in der Darstellung von Politikerinnen und Politikern
• (14:41) – Lösungsansätze: Prozessorientierung als Weg zu mehr Vertrauen
Unsere Expert*innen
Ole Meinefeld • Referent Zeitdiagnostik und Diskursanalyse, Heinrich-Böll-Stiftung
Kristina Weissenbach • Politikwissenschaftlerin an der Universität Duisburg-Essen
Peter Unfried • Chefreporter der Taz
Holger Michel • Geschäftsführer der Politikberatungsagentur „Laut und deutlich“
Autorin der Folge: Susanne Balthasar
Host: Mandy Schielke
Hintergründe auf boell.de
• Studie: „Politikstile. Wie Medien sie deuten und Emotionen und Symbole das Demokratievertrauen beeinflussen“: [🔗 https://www.boell.de/de/2026/05/11/politikstile]
Grafik: Adobe Stock / Bearbeitung hbs. All rights reserved.
Transkript anzeigen
00:00:00: Warum Politikstile?
00:00:02: Warum macht eine politische Stiftung so ein Thema auf, was ist der Sinn davon.
00:00:08: Und die Antwort müsste glaube ich lauten, wer etwas für das Demokratievertrauen tun will in diesen Zeiten und das dürfte ziemlich eindeutig eine Aufgabe der Stiftung sein muss verstehen wie das Bild von Politik eigentlich bei den Bürgerinnen und Bürgern entsteht welches Bild sie erreicht.
00:00:28: Und genau darum soll es gehen.
00:00:31: Ja, das war Ole Meinefeld.
00:00:33: Er hat zusammen mit Ariane Giustari und der Duisburger Politikwissenschaftlerin Christina Weißenbach für die Heinrich-Böll-Stiftung eine Studie verfasst – und die trägt den Titel «Politikstile wie Medien sie deuten und warum Emotionen und Symbole das Demokratievertrauen beeinflussen».
00:00:53: In dieser Folge Böl Podcast wollen wir uns damit beschäftigen, wie sich politische Akteure zeigen.
00:00:59: Wie sie sprechen und sich untereinander vernetzen!
00:01:02: Das Schweigen von Olaf Scholz wird eine Rolle spielen – der rote Lippenstift von Heidi Reichenig und das Temperament von Friedrich Merz um mehr als nur die Oberfläche.
00:01:15: Ich bin Mandy Schelke vom Audio-Kollektiv, Susanne Balter sah es mit mir hier im Podcaststudio.
00:01:21: sie war in der Heinrich-Böll Stiftung in Berlin als die Studie zu den Politikstilen vorgestellt wurde.
00:01:27: Hallo Susanne!
00:01:29: Hallo Mandy!
00:01:32: Böll Podcast Der Podcast der Heinreich-Buell Stiftungen.
00:01:38: Susanne damit wir auch alle gleich im richtigen Bild sind und alle verstehen, worum es geht.
00:01:44: Was genau ist ein Politikstil?
00:01:49: Das ist grob gesagt die Art und Weise, wie jemand etwas tut.
00:01:54: Es geht also nicht darum was jemand tut – also wofür er sich inhaltlich einsetzt?
00:01:58: Die Vermögensteuer oder den Verbrenner oder so etwas.
00:02:01: Du hast ja vorhin schon ein paar Beispiele genannt.
00:02:04: Also das Aussehen spielt eine Rolle.
00:02:06: Die Rhetorik, die Nutzung von sozialen Medien, die Körpersprache aber auch Rollenerwartungen.
00:02:12: Wie sollte sich ein Kanzler verhalten oder wie sollte sich eine Außenministerin verhalten?
00:02:17: Dass das einen erstaunlich großen Raum in der Berichterstattung einnimmt, das fand die Studie der Böllstiftung heraus.
00:02:23: Darum geht es nämlich im Sechzig Prozent der untersuchten Texte und das prägt natürlich auch das Bild und die Erwartungen von Bürgerinnen und Bürgern an die Politik.
00:02:34: Wie genau und ob es da Muster gibt, wollte die Studie auch wissen.
00:02:38: Dafür wurden über sechshundert Texte aus überregionalen Zeitungen und Magazinen untersucht.
00:02:43: Darin ging es um prominente Bundespolitikerinnen wie zum Beispiel um Friedrich Merz, Olaf Scholz, Anna-Lena Baerbock, Sarah Wagenknecht und Markus Söder.
00:02:54: Und Christina Weißenbach hat zur Studienvorstellung ein Beispiel mitgebracht von der Süddeutschen Zeitung.
00:03:00: Alice Weidel ist Don Quixote.
00:03:01: Tatsächlich ist bei Mioska auch optisch eine gewisse Ähnlichkeit zu erkennen, dunkelblaue Jeans, schwarzer Gürtel mit silberner Schnalle, Laufschuhe und lichtgrau weißes Hemd, Perlenkette, weißes Einstecktuch, dunkles Schakett, silberne Uhr, eine moderne Wiedergängerin eines alten Landadeligen der sich für einen edlen Ritter hält um glaub die Welt vor Unrecht retten zu müssen, der Windmühlen- und gefährliche Riesen verwechselt und sie mit einer Lanze
00:03:24: angreift.".
00:03:26: Und da steckt so viel drinnen Da wird das Wähler-Clientel angesprochen.
00:03:30: Ganz viel Symbolik, ganz viel Emotion aber eben ganz viel Äußerliches
00:03:34: auch.
00:03:35: Ja, das kann man für schönste Journalistenprosa halten und da gibt es auch viel zu interpretieren!
00:03:41: Ja, absolut.
00:03:42: Christina Weißenbach hat da zwei Begriffe ins Spiel gebracht – nämlich symbolisch und emotional!
00:03:49: Und das sind zwei Kategorien von Politikstilen.
00:03:52: Wer genau zugehört hat erinnert sich vielleicht daran dass diese Begriefe auch im Titel der Studie vorkamen.
00:03:58: Die hieß Politikstile wie Medien sie deuten und warum Emotionen und Symbole das Demokratievertrauen beeinflussen?
00:04:06: So, was versteht man jetzt darunter?
00:04:08: Zum emotionalen Gehören berichte über den Charakter die Gefühle und das Privatleben der Politikerinnen und Politiker.
00:04:16: Und von symbolischen Beschreibungen spricht man wenn es um das Erscheinungsbild, die Rhetorik, die Mimik ,die Gestik geht aber auch darum wie Leute sich vernetzen also wer mit wem?
00:04:27: Dazu muss man sagen, dass genau diese beiden Kategorien nicht nur in dem Artikel über Alice Weidel eben vorkamen sondern insgesamt sehr viel Raum der Berichterstattung einnehmen.
00:04:38: Symbolische Zuschreibungen gibt es in neunzig Prozent aller Artikel und die Emotionalen in mehr als der Hälfte aller Texte.
00:04:47: Das heißt, sie spielen eine ganz wichtige Rolle dabei wie Menschen Politikerinnen und Politiker wahrnehmen weil die wenigsten gehen ja tatsächlich zu Wahlkampfveranstaltungen oder sowas.
00:04:58: Die nehmen PolitikerInnen ja hauptsächlich über Medien wahr vor allen Dingen im Bund also auf der lokalen Ebene ist das dann etwas weniger ausgeprägt.
00:05:07: Okay, wir haben die emotionale und die symbolische Berichterstattung.
00:05:12: Gibt es denn auch noch andere Formen, die vielleicht weniger vorkommen?
00:05:16: Ja, die gibt's – und zwar sind das die substanzielle und die diskriptive Dimension des Politikstils.
00:05:23: Also substanziall heißt, welche Fachkompetenz bringt jemand mit, welcher Erfahrung und auch welche Erfolge hatte?
00:05:29: Diskriptiv bedeutet, dass gruppenspezifische Merkmale herausgestellt werden.
00:05:34: Also das die Politikerin eine Frau ist oder eine Migrantin oder so etwas und da können Wählerinnen und Wähler anknüpfen Und das stiftet Vertrauen wie man aus der Forschung weiß Wie dieses Vertrauen entsteht erklärt Christina Weißenbach.
00:05:49: Wir sehen in der Repräsentationsforschung, Bürger fühlen sich dann repräsentiert und vertrauen Politikern und Politikern.
00:05:55: Wenn sie Sachkompetenz haben aber eben auch wenn Sie die Kompetenz zu koordinieren Koalitionen zu bilden Die Kompetence zur Kompromiss Und das ist immer dann wenn Kommentatorinnen und Kommentatoren über Politikstile sprechen nicht abgebildet.
00:06:10: Das ist ja schon einigermaßen überraschend, dass so wenig über Sachkompetenz berichtet wird und ja auch erschreckend.
00:06:18: Vielleicht ist es ein bisschen naiv zu fragen aber warum ist das denn so Susanne?
00:06:23: Also ich habe mich das auch gefragt und diese Frage hab' ich dann gleich an Peter Unfried weitergeleitet.
00:06:29: Peter Unfred ist der Chefreporter der TATS und der war bei der Studienvorstellung auch da weil er anschließend noch einen Workshop gemacht hat und er war da auch ganz schön selbstkritisch.
00:06:39: Wir haben natürlich auch jede Menge Medien, die im Grunde Politik als Unterhaltung betreiben.
00:06:44: Also wenn sich die bunte angucken was da über Annalena Baerbock berichtet wird das ist schon ungewöhnlich.
00:06:51: also ich habe jetzt früher die bunten nicht gelesen aber ich glaube dass hat eindeutig zugenommen und man muss eben auch sagen auch in den sogenannten Qualitätsmedien.
00:07:01: Also bei uns, und das ist ja auch ein Teil dessen was die Studie im Grunde herausgefunden hat besteht Politik eben schon auch stark in Unterhaltung.
00:07:09: So eine Unterhaltungen bedeutet eben dass man bestimmte Emotionen, Effekte usw.
00:07:14: bedienen und dann ist man eben automatisch bei weniger Sachfragen weil sie eben auch wahnsinnig kompliziert sind und man is mehr bei Persönlichkeitsfragen zum Beispiel wie Menschen angezwungen sind.
00:07:28: Ja und Peter Unfried hat mir auch erzählt, dass eigentlich schon immer so berichtet worden ist.
00:07:32: Also das man sich an Äußerlichkeiten hochgezogen hat.
00:07:36: aber früher ist es im Gegensatz zu heute nicht so ein Problem gewesen.
00:07:40: Wenn Sie jetzt Helmut Kohl ansprechen ich meine wir haben den damals Birne genannt und dachten, das sei jetzt wirklich der subversivste überhaupt.
00:07:48: Und er sei dick und so Dinge die man eigentlich überhaupt nicht machen darf.
00:07:53: Und durfte man natürlich weil er ja so blöd war und politisch falsch lag und es hatte ihn natürlich in keinster Weise destabilisiert.
00:08:02: also erst mal nicht dass irgendwie die falschen Mittel waren, aber eben auch nicht.
00:08:07: Weil die Grundlage einfach stabil war.
00:08:09: Es war eine stabile Demokratie wo man gesagt hat wenn die CDU es nicht mehr bringt dann wählen wir die SPD und wenn die SPD's nicht mehr bringen dann wähln wir die CDU und wenns ganz schlecht läuft dann nehmen wir beide zusammen so... Und das gibt jetzt eben nicht mehr!
00:08:25: Ja, heute steht ja die AfD im Raum.
00:08:28: Das heißt also dass Medien schon immer personalisiert berichtet haben und sich nur die Zeiten geändert haben wenn ich das richtig verstehe.
00:08:37: aber ich frage mich doch ob diese Personalisierung von Politik in ihrer Zuspitzung jedenfalls nicht doch ein Thema unserer Zeit ist?
00:08:45: Das wird auch zusätzlich durch die sozialen Medien befeuert.
00:08:49: Ja, das habe ich auch gedacht aber das hat eigentlich keiner meiner Interviewpartner so bestätigt.
00:08:55: Interessant fand ich aber, was Peter Unfried zu den sozialen Medien gesagt hat.
00:09:20: ist im Grunde schon mit dem Misstrauen irgendwie in großen Teilen der Gesellschaft reingekommen, dass die sowieso nix hinkriegen werden.
00:09:32: So und das scheint sich jetzt zu bestätigen?
00:09:35: Ja interessanter Begriff Misstrauens Gemeinschaften!
00:09:39: Ist es also so, dass selbst wenn Politikstile positiv dargestellt werden in der Berichterstattung, dass es trotzdem kein positiven Einfluss auf des Vertrauen hat?
00:09:51: Der Punkt ist auch das hat die Studie herausgefunden, dass die Beschreibungen von Politikstilen überwiegend negativ sind.
00:09:58: Da wird zugespitzt und da werden Konflikte aufgebaut – und das folgt natürlich der Logik der Medien, die ja eine Wächterfunktion haben und die Politik kritisch beobachten sollen.
00:10:09: Ole Meinefeld von der Böll-Stiftung sagt...
00:10:20: eigentlich permanent in diesem Negativlicht steht.
00:10:25: Welchen Einfluss hat das eigentlich darauf, ob die Bevölkerung Vertrauen in Politik schöpft?
00:10:31: Ob es in Krisensituationen die Möglichkeit gibt dieses Vertrauen auch einzusetzen um durch schwierige Konstellation zu kommen?
00:10:40: und da entsteht eben das Dilemma dadurch dass die Politikberichterstattungen in einer gewissen Hinsicht sich macht kritisch verhält und gleichzeitig dadurch eine Perspektive auf Politik entwickelt, die sogar rot das System zu erodieren.
00:10:56: Wenn eben Vertrauen in der Weise weiter zurückgeht wie wir das über die letzten Jahre beobachten können.
00:11:03: Insofern würde ich auch sagen, es ist eine Frage der Balance inwieweit bestimmte politische Erfahrungen und Leistungen auf eine Weise mitberichtet erstattet werden können.
00:11:15: Die natürlich die Kontroll- und Kritikfunktion von Medien nicht preisgibt.
00:11:20: Das ist eine große Herausforderung, die mehr reflektiert werden müsste bei den Medienschaffenden.
00:11:27: Genau dafür ist diese Studie hier auch da, dass da bestimmte Muster erkennbar werden.
00:11:32: Wenn man die Ergebnisse der Studie im Hinterkopf hat, liest man auf einmal auch die Zeitung anders.
00:11:37: Weil einem erst mal auffällt wie viel symbolische oder emotionale Berichterstattung da drin steht.
00:11:44: und das hat doch der Tatsreporter Peter Unfried gesagt.
00:11:47: also ihm hat er es sehr zu denken gegeben.
00:11:50: aber auch die Studie löst sein Dilemma nicht.
00:11:53: Jetzt ist es halt so dass man eine neue Balance braucht zwischen dem was wir klassischerweise als kritisch verstehen.
00:12:01: Das ist jetzt heikelweil.
00:12:03: Natürlich will jeder Journalist sagen, ich muss kritisch berichten aber eben was im Grunde das Vertrauen in die liberale Demokratie nicht weiter destabilisiert.
00:12:12: also ganz vereinfacht gesagt die Berichterstattung derzeit über Friedrich Merz ist sicherlich nicht falsch inhaltlich Aber sie ist extrem problematisch weil sie eben von rechtspopulistischen Büchenspannern dazu genutzt wird um die cdo in eine Koalition mit der AfD zu treiben.
00:12:33: Jetzt kann ich ja schlecht sagen, Friedrich Metz ist schon super eigentlich aber ich muss halt auch aufpassen dass ich den nicht komplett runterschreibe wie wir es sagen und vor allem dann auch noch mit den üblichen atmosphärisch kulturellen Zuschreibungen.
00:12:49: also er ist arrogant hat seine Leute nicht im Griff er rastet irgendwie mal leicht aus usw.
00:12:56: was man da so hat.
00:12:58: und bei friedrich metz würde ich sagen, die Figur an der sich das im Moment festmacht.
00:13:04: Bei den Politikstilen gibt es auch noch andere Muster, die wir jetzt noch gar nicht erwähnt haben – zum Beispiel dass das Geschlecht einen Unterschied macht.
00:13:12: Politikerin wie Heidi Reichineck oder Anna-Lena Baerbock werden häufiger mit Emotionen und Empathie verbunden als Männer.
00:13:21: Und bei Politikern wie Boris Pistorius oder Friedrich Merz, da wird dagegen öfter die Sachkompetenz erwähnt.
00:13:27: Dann ist es auch so, dass Politikstile ihre Zeit haben – also das Ein- und derselbe Sachverhalt zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedlich bewertet werden!
00:13:37: Dafür hatte die Politikwissenschaftlerin Christina Weißenbach bei der Präsentation der Studie ein Beispiel, das wir alle kennen.
00:13:47: Das finde ich sehr prägnant an all dem Material, das wir zu Olaf Scholz haben in unserem Leitmedienkorpus Politikstile.
00:13:54: Das war zwanzig-einundzwanzig und da heißt es im Stern dazu die äußerliche Mischung aus Seriosität – dunkler Anzug – und gebremster Lockerheit auf einer Kragen.
00:14:04: kein Schlips.
00:14:05: Scholz strahlte während der kompletten Sendung aus was er gelegentlich auch während seiner Antworten formulierte.
00:14:10: Darauf können sie sich verlassen!
00:14:13: Sicherheit.
00:14:24: Das
00:14:31: bedeutet natürlich auch, dass es für die Politiker überhaupt nicht einfach ist dieses Wissen darüber wie Medien berichtend für sich zu nutzen.
00:14:44: Einer von ihnen ist Holger Michel, der leitet die Politikberatung laut und deutlich.
00:14:49: Und er hat mir das so erklärt.
00:14:51: Politikstile werden schon sehr stark mitgedacht natürlich in der Beratung von politischen Akteureninnen und Akteurern.
00:14:57: Die Herausforderung dabei ist dass man wirklich darauf achtet nicht zu versuchen eine Politikstil aufzusetzen weil es funktioniert nicht.
00:15:05: also man muss mal schauen passt Ein Politikstil auch zu der Person, das heißt wir beginnen erstmal damit zu analysieren und zu schauen was ist vorhanden.
00:15:14: Was können wir weiterentwickeln?
00:15:15: Wie können wir eine Verdichtung vornehmen oder Konsistenz vornehmen?
00:15:20: aber eben auch immer die Überlegungen wie kann das ein oder andere antizipiert werden, wie kann es gedeutet werden?
00:15:26: Ganz wichtig ist auch, dass man schaut wen möchte ich eigentlich erreichen.
00:15:31: Dann nannte Michael dann öfter den Namen der linken Politikerin Heidi Reichineck.
00:15:36: Die sieht mit ihrer Ponyfrisur den Tattoos und dem roten Lippenstift schon sehr markant aus Und damit wird sich vielleicht keine Rentner in der Provinz für sich gewinnen Aber das junge urbane Publikum, das ihr auf TikTok folgt Das schon.
00:15:50: Die denken nämlich, die ist eine von uns und denen gefällt auch ihr schnelles Sprechen und dass sie ihre Inhalte oft emotional und ein bisschen reißerisch rüberbringt.
00:16:00: Und dieser Stil der es für Heidi Reichineck und ihre Partei voll aufgegangen
00:16:04: Auch
00:16:04: damit hat sie bei der Bundestagswahl viele Wähler mobilisiert.
00:16:09: Holger Michel hat aber noch ein anderes Beispiel.
00:16:11: Zogen auf.
00:16:12: wer sind meine Zielgruppen, wen möchte ich erreichen?
00:16:14: Welches Ziel verfolge ich?
00:16:16: Belingt das sicherlich beispielsweise Alice Weidel sehr gut.
00:16:19: Konsequent aggressives Auftreten so muss man sie sagen ist es relativ wenig konstruktives dabei aber Sie schafft es konsequent zu sagen in diesem Land ist alles furchtbar.
00:16:29: Ich bin diejenige die das alles aufdeckt obwohl mir angeblich alle versuchen wollen den Mund zu verbieten.
00:16:36: Das heißt sie bedient damit auch eine ja eine Sehnsucht vieler Menschen von, da ist die Anwältin für uns.
00:16:44: Ich glaube sie macht das sehr konsequent und nicht umsonst kann sie eben damit auch durchdringen.
00:16:49: wenn Sie auf einmal konstruktiv auftreten würden mit echten Vorschlägen käme dann würde Ihr eigenes Stil der so mühsam aufgebaut ist schnell bröckeln.
00:16:58: Vielleicht noch als allerletztes ein Beispiel, wie man mit einem einzigen Auftritt Image gestalten kann.
00:17:04: Das hat der NRW-Ministerpräsident Henrik Wüst gezeigt, als er einen Kinderwagen zum Landtag schob und sich damit als moderner Konservativer inszeniert hat.
00:17:13: Bewusst würde ich ihm jetzt mal unterstellen!
00:17:16: Ja, vermutlich hat er auch dafür gute Berater.
00:17:18: Ja vielleicht aber so ein Politikstil ist eben nicht eindimensional und deshalb kann man ihn noch nicht einfach so am Reisbrett entwerfen und dann kommt gleich die positive Resonanz hinterher.
00:17:29: das hat mir Holger Michel auch nochmal erklärt.
00:17:32: Wir haben natürlich einmal die Politik selber die darauf achten muss wie trete ich auf?
00:17:37: Aber gleichzeitig haben wir natürlich auch das rezipierende Moment der Medien die auch natürlich eine gewisse Verantwortung haben in der Frage, wie beschreibe ich eigentlich politische Akteuren und Auteure?
00:17:49: Und wenn wir das jetzt gesehen haben.
00:17:51: Die vielen Berichte über die Politikstile weisen auf einige Probleme hin – wo setzen wir da jetzt an!
00:17:58: Da müssten doch die Medien erstmal ihre Berichterstattung ändern
00:18:02: oder?!
00:18:03: Jein, ich hatte die Studie der Böll-Stiftung über Politikstile auch erst mal als Medienschelte gelesen.
00:18:09: Aber so will die Autorin und Politikwissenschaftlerin Christina Weißenbach diese Personifizierung in der Politik gar nicht verstanden wissen.
00:18:18: Ich glaube es ist eine Win-Win-Winn Situation.
00:18:23: Medien natürlich ein Interesse der Personalisierung haben, dass auch Wahlkämpfe haben.
00:18:27: Das wissen wir längst, dass Politikerinnen und Politiker das selber haben.
00:18:31: weil wir schon sehen, auch wenn wir in einer Konsensdemokratie sind und nicht im amerikanischen System der Wettbewerbs-Demokratie ist es dennoch so, dass Personalisierung auch im deutschen Wahlkampf zieht für die Politikerin und Politika.
00:18:44: aber wir sehen in unseren Fokusgruppen Studien, dass das auch bei Bürgerinnen und Bürgern so ist also dass der Fokus auf den Personen und nicht beispielsweise auf den Prozessen oder den Situationen liegt, wenn es darum geht ob sie der Demokratie in Deutschland vertrauen.
00:18:57: Und letztendlich wir Forscherinnen und Forscher haben die vierte Winn-Situation würde ich sagen wenn das um Politikstile geht.
00:19:01: wir untersuchen das gerne.
00:19:03: Na gut!
00:19:03: Die Personalisierung von Politik und damit auch Politikstiele hinter uns zu lassen ist eine Illusion.
00:19:10: aber bräuchten wir nicht trotzdem eine ausgewogenere Berichterstattung?
00:19:15: In der so etwas wichtiges wie Sachkompetenz stärker vorkommt?
00:19:20: wäre das nicht schon mal ne Verbesserung?
00:19:22: Ja, absolut!
00:19:24: Man weiß ja auch aus der Forschung dass das Vertrauen stärkt und das ist ja auch das Fazit der Studie.
00:19:30: Dass in sechzig Prozent der Berichte Sachkompetenz keine Rolle spielt oder dass dasselbe Verhalten bei Olaf Scholz entweder als staatsmännisch oder führungsschwach interpretiert wird, das bietet den Leuten dann keine Orientierung.
00:19:44: Und dasselbe gilt auch wenn die Kommunikationsstärke bei Frauen als empathisch und beim Männern als kenntnisreich interpretiert werden.
00:19:53: Durch die Studie sollen solche Muster ja erkennbar werden – im Idealfall würden Journalistinnen darauf reagieren!
00:20:00: Denn natürlich haben sie als Mittler zwischen Politik und Bevölkerung da eine besondere Verantwortung.
00:20:07: Ein etwas überraschendes, positives Beispiel hat Christina Weißenbach auch noch genannt.
00:20:36: Sehr gerne.
00:20:37: Und hier noch ein Hinweis auf unsere nächste Folge Böl Podcast, Thema ist dann die Arbeitsgesellschaft im Wandel und diese Folge erscheint dann am neunten Juli.
00:20:48: Noch mehr Folgen von Böl podcast findet ihr auf böll.de.
00:20:52: Wenn Ihr Fragen
00:20:52: und Anregungen habt schreibt uns gern an podcastatböl.de.
00:20:58: Ich bin Mandy Schielke vom Audio-Kollektiv.
00:21:01: Danke fürs Zuhören.
00:21:02: Machen Sie es gut!
00:21:06: Podcast.
00:21:08: Der Podcast der Heinrich Bayer Stiftung.
Neuer Kommentar