Social Media Academy #3: Digitale Aufholjagd für die Demokratie

Shownotes

Wie gewinnen progressive Kräfte die digitale Öffentlichkeit zurück?

Zitat der Folge

„Es geht um Storytelling. Wir müssen die besten Geschichten erzählen. Wir müssen nicht nur die beste Politik machen, die besten Ansätze haben, die besten Lösungen haben, sondern wir müssen sie auch so gut verkaufen, dass Leute Teil von unserer Party sein wollen und mitmachen wollen bei der kommunalen Wärmewende und bei den Windrädern und so weiter, bei der Verkehrswende.“

Benedikt Döllmann, Grüner Stadtrat in Tübingen, Klimaaktivist und Content Creator

Episodenbeschreibung

Rechte Akteure dominieren viele Plattformen - doch wie kann progressive Kommunikation dagegenhalten? In dieser Folge von böll.podcast geht es um die „Digitale Aufholjagd für die Demokratie“. Die Social Media Academy der Heinrich-Böll-Stiftung bringt Strateg*innen, Politiker*innen und Content-Creator zusammen, die zeigen, wie politische Inhalte auf TikTok, Instagram oder YouTube Menschen erreichen können. Mit dabei: Erfolgsbeispiele aus den USA, Großbritannien und Deutschland, Diskussionen über Authentizität, Storytelling, Algorithmen, Hate Speech und politische Wirkung. Wie entsteht Vertrauen im Netz? Und was braucht progressive Kommunikation heute?

Kapitel mit Zeitmarkierungen

• (00:00) – Einführung: Die Social Media Academy der Heinrich-Böll-Stiftung

• (02:36) – Kernfrage: Reichweite vs. Vertrauen – Wie erreicht progressive Politik die Menschen?

• (06:28) – Best Practice New York: Zohran Mamdani Mikro-Influencer-Strategie

• (13:25) – Storytelling: Hooks, Narrative und kommunalpolitische Inhalte

• (17:46) – Humor und Haltung: Ricarda Lang über Selbstironie und Glaubwürdigkeit

• (27:34) – Dilemma Social Media: Plattformen, Algorithmen und progressive Werte

• (29:32) – Plattformstrategie: X, YouTube, TikTok – welche Plattform wofür?

• (31:57) – Fazit und Outro

Unsere Expert*innen

Benedikt Döllmann • Grüner Stadtrat in Tübingen, Klimaaktivist und Content Creator

Annette Maennel • Leiterin Kommunikation der Heinrich-Böll-Stiftung

Philipp Töllner • Social-Media-Berater

Morris Katz • Wahlkampfstratege der Kampagne von Zohran Mamdani

Ross Hanson-Lowe • Social Media Manager von Zack Polanski und Gründer von Bold Politics

Ricarda Lang • Bundestagsabgeordnete Bündnis 90/Die Grünen, ehemalige Parteivorsitzende

Daniela Sepehri • Aktivistin und Publizistin

Emma Willisch • Initiative „Nur Ja heißt Ja“

Charlotte Obermeier • Stellvertretende Leiterin Presse Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

Hannes Kreschel • Content Creator, Aktivist und Gewerkschafter

Luna Möbius • Digital Creator und Social-Media-Managerin von Ricarda Lang

Gavin Karlmeier • Journalist

Arun Chaudhary • ehemaliger Videograph von Barack Obama

Autorin der Folge: Bettina Ritter

Host: Mandy Schielke

Hintergründe auf boell.de

• Dossier „Digitalpolitik - Debatten und Positionen“: [🔗 https://www.boell.de/de/kategorien/digitale-ordnungspolitik]

Weiterführende Artikel und Quellen

Spiegel-Artikel über Benedikt Döllmann: [🔗 https://www.spiegel.de/politik/deutschland/influencer-aus-tuebingen-dieser-junge-mann-will-kommunalpolitik-auf-instagram-cool-machen-a-017fbe53-8d46-4282-bc09-c8b8de1d0c40]

Politico-Beitrag über Morris Katz: [🔗 https://www.politico.com/news/2026/03/06/mamdani-aide-british-progressives-00814876]

Hate Aid für Menschenrechte im digitalen Raum: [🔗 https://hateaid.org/]

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Gebündelt und auf den Punkt gebracht: böll.podcast ist das neue Podcastformat der Heinrich-Böll-Stiftung. Hier sprechen unsere Hosts Mandy und Jule jede Woche mit Gäst*innen über Politik, Gesellschaft und Umwelt. Es geht um Ideen, Konflikte und Fragen, die uns heute bewegen und unser Morgen prägen. Jede Folge eröffnet neue Blickwinkel und lädt dazu ein, gemeinsam weiterzudenken.

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Transkript anzeigen

00:00:03: Wir müssen die besten Geschichten erzählen.

00:00:04: Wir müssen nicht nur die beste Politik machen, die besten Ansätze haben und die besten Lösungen haben sondern wir müssen sich auch so gut verkaufen dass Leute Teil von unserer Party sein wollen und mitmachen wollen bei der kommunalen Wärmewende und den Windrädern usw.

00:00:19: Das

00:00:19: war Benedikt Döllmann.

00:00:21: Er ist grüner Stadtrat in Tübingen, zwanzig Jahre alt und er ist mit seinen politischen Inhalten ziemlich erfolgreich auf Social Media.

00:00:30: Er war einer der Top-Gäste bei der dritten Social Media Academy der Heinrich-Böschstiftung im Mai in Berlin – dem Hub für progressive Social Media Professionals!

00:00:41: Noch nie war dieser Ort so wichtig wie heute….

00:00:44: Die progressive Kommunikation steht massiv unter Druck.

00:00:48: Algorithmen, verschiebenen Diskurser, Rechte, Akteure sind hochgradig organisiert – ja wie können wir besser werden?

00:00:56: Das diskutierten insgesamt zweihundert-achtzig Menschen aus verschiedenen Parteien, Gewerkschaften und Organisationen Und Initiativen.

00:01:05: Ein Wochenende lang gab es Vorträge, Diskussionen,

00:01:09: Best

00:01:09: Practice-Beispiele und jede Menge Gelegenheit um sich zu vernetzen.

00:01:14: In diesem Böl Podcast stellen wir euch die spannendsten Ergebnisse vor.

00:01:19: Ich bin Mandy Schielke vom Audio Kollektiv.

00:01:22: Willkommen!

00:01:33: Für Böl podcast war Bettina Ritter dabei.

00:01:36: Hallo Bettina.

00:01:38: Jetzt ist es ja kein Geheimnis, dass beim Thema digitale Kommunikation auf Social Media die rechten Parteien die Nase vorn haben.

00:01:47: Das ist hier in Deutschland die AfD mit mehr als siebenhunderttausend Followern allein auf TikTok.

00:01:52: Die anderen Parteien sind da ziemlich abgeschlagen oder auch die gesamte rechte Bewegung in den USA ist da ziemlich weit vorn.

00:02:01: Welche Rolle hat das gespielt bei der Veranstaltung der Social Media Academy Bettine?

00:02:06: Ja, das hat Annette Mannell die Leiterin der Kommunikation der Herrn-Richt-Böld-Stiftung, die das Ganze zusammen mit dem Social Media Berater Philipp Töllner im Duo organisiert hat gleich am Anfang angesprochen.

00:02:21: Sie hat gesagt dass die Menschen laut Umfragen auch wenn sie bereit sind die Rechten zu wählen immer noch die Demokratie als beste Staatsform ansehen und dass man da als Social Media Experte gut ansetzen kann.

00:02:36: Und vielleicht ist auch das der Aufgabe der Konferenz, nicht nur zu fragen wie wir Reichweite erzeugen sondern wie wir Vertrauen erzeugt, wie wir Menschen erreichen ohne sie anzuschreien, wie die Sprache treffen, den Ton treffen oder das richtige

00:02:49: Bild treffen?

00:02:50: Und auch sicherlich welche Strategie in der Memifizierung wir uns aneignen um nämlich die eigenen Themen zu kommunizieren und nicht immer den anderen hinterherzurannen

00:03:01: Stichwort hinterherrennen.

00:03:03: Die Academy hatte sich das Motto gegeben, digitale Aufholjagd für die Demokratie und Philipp Töllner, Social Media Berater sagte das ja... Dass

00:03:13: wir wahnsinnig weit hinterher hinten

00:03:15: ist er richtig.

00:03:16: aber was eben

00:03:17: falsch ist, ist die Annahme dass wir das nicht mehr aufholen können.

00:03:21: und wer dieses Projekt um die digitale Öffentlichkeit

00:03:25: die zurückzuerobern wieder aufgibt oder schon aufgib, der hat schon verloren.

00:03:29: Und viele

00:03:29: von

00:03:30: uns hier in dem Raum sind

00:03:31: politisch erfahren und wissen, politische Kämpfe

00:03:33: sind nie von

00:03:34: vorn hinein entschieden.

00:03:35: Man muss immer wieder um

00:03:37: sie

00:03:37: kämpfen.".

00:03:38: Das hört sich ja ziemlich zuversichtlich an!

00:03:40: Gab es denn Beispiele wo diese Aufholjagd schon geklappt oder zumindest begonnen hat?

00:03:47: Ja, es gab Im Prinzip das Beispiel schlechthin, nämlich Sorin Mamdani der neue Bürgermeister von New York City.

00:03:54: Da war der Heinrich Böld-Stiftung eine echte Überraschung gelungen denn sie hatten den Strategien hinter der Wahlkampfkampagne Morris Cutts zugeschaltet Und der plauderte dann aus dem Nähkästchen, wie es der Kampagne- in den letzten Jahren gelungen ist, diesen damals noch vollkommen unbekannten sehr linken Demokraten in die öffentliche Aufmerksamkeit zu schieben und seine Themen zu pushen.

00:04:18: Das in einem rechten Umfeld unter US-Präsident Trump.

00:04:23: Wie ist das gelungen?

00:04:24: Vor allem sollte es keine klassische politische Kampagne sein – die Clips sollten humorvoll sein und unterhaltend!

00:04:36: Ich

00:04:36: glaube, viele Politiker denken manchmal so ja, Social Media ist total wichtig.

00:04:41: Und dann sieht das am Ende so aus, dass sie einfach hinter einem Schreibtisch sitzen und irgendeine langweilige Ansprache direkt in die Kamera halten.

00:04:47: aber niemand geht auf Social Media um sich schlechter zu fühlen.

00:04:51: Niemand geht auf social media um sich zu langweilen.

00:04:54: Wenn Leute ein Buch lesen wollen, lesen Sie einen Buch.

00:04:56: Wir wollten, dass sich die Inhalte organisch für die jeweiligen Plattformen anfühlen.

00:05:01: organic zu den Plattformen.

00:05:03: Ja, organisch anfühlen!

00:05:05: Wie sah das denn in New York City bei Søren Mamdani aus Bettina?

00:05:10: Morris hat ja gerade gesagt immer der jeweiligen Plattform entsprechend.

00:05:15: Auf Insta und TikTok laufen so Man on the Street Formatugut, also hat das Team seinen Kandidaten Soren Mamdani mit ne Mikro- und einer Kamera auf die New Yorker Straßen geschickt Und da hat er ganz normale Leute angesprochen und interviewt.

00:05:31: Immer zudem ein Thema dass sich die Kampagne gesetzt hatte.

00:05:35: Affordability Bezahlbarkeit.

00:05:40: Außerdem wollten wir immer Wege finden, es so unterhaltsam wie möglich zu machen.

00:05:44: Wir hatten zum Beispiel dieses Halalflation Video also das Video über den Plan des Bürgermeisters die Kosten für halal Essen zu senken.

00:05:51: Der eigentliche Inhalt davon ist relativ langweilig.

00:05:53: Es geht um vier verschiedene Gesetzesvorlagen im Stadtrat Die Regeln anpassen Um den Zugang zu Händler Lizenzen zu erweitern.

00:06:00: Aber was wir stattdessen gemacht haben, er ist zu verschiedenen Halallständen gegangen hat das Essen probiert Leute auf der Straße interviewt.

00:06:08: Man on the Street Style.

00:06:10: Für dieses Video hat die Kampagne dann auch mit einem der größten Foodblocks von New York zusammen gearbeitet.

00:06:17: Das heißt da war man Danny dann für ein Monat oder so auf der Landingpage zu sehen.

00:06:22: War die Zusammenarbeit mit Influencern und Blocks Konzept?

00:06:27: Absolut, am Anfang als noch niemand Mamdani kannte.

00:06:31: Da hat das Team gezielt unzählige Influencerinnen angeschrieben ob Mamdanie bei ihnen zu Gast sein

00:06:37: darf.".

00:06:40: Die Leute haben gesagt warum setzt ihr euch mit einem Mikroinfluencer hin der nur zwanzig tausend oder dreißigtausend Follower hat?

00:06:47: und wir dachten halt wir spielen einen Algorithmuspielen.

00:06:50: diese Interviews sind ehrlich gesagt einfacher weniger feindselig und erreichen Leute die sonst niemand erreicht Und genau das macht sie wertvoll.

00:06:59: Wenn du dann an einem Tag fünf oder sechs davon machst, spielst du einfach ein Zahlenspiel.

00:07:03: Irgendwas davon wird viral gehen – oder zumindest ist die Wahrscheinlichkeit über längere Zeit ziemlich hoch, dass eins davon viral

00:07:09: geht.".

00:07:12: Das Team wollte dem Algorithmus beibringen, dass er Mamdani toll findet.

00:07:17: Das Sauberwort war hier oft organisch.

00:07:20: Mamdanni sollte sich dem Influencer und seinem Inhalt anpassen, sodass es gar nicht wirkt wie Wahlwerbung.

00:07:27: Er ist dann mit Bikefluenzern auf dem Rad durch die Strasse von New York City gefahren und hat über Fahrräder geredet oder er war auch in Clubs und dreht ein bisschen den DJ an den Turntables.

00:07:39: Alles immer fürs Bild?

00:07:40: Klar!

00:07:41: Aber irgendwann war er auf Social Media omnipräsent und die Clips sind dann auch wirklich viral gegangen.

00:07:47: Ja, spannend!

00:07:48: Und tatsächlich eine mutmachende Geschichte.

00:07:51: gibt es noch andere Beispiele wo das so gut geklappt

00:07:54: hat?

00:07:55: Ja, in Großbritannien bei Sack Polanski.

00:07:58: Das ist der neue Shootingstar der Grünen dort!

00:08:01: Seit September ist er der Vorsitzende der Green Party of England and Wales und sein Social-Media-Manager Ross Hansen Lowe hat einen ganz eigenen Ansatz – er hat für den Medienauftritt von Polansky eine eigene Agentur gegründet – Bold Politics.

00:08:18: Im Zentrum steht ein wöchentlicher Podcast, der heißt auch Bold Politics Und Polanski ist der Host, aber das ist noch nicht alles.

00:08:31: Wir

00:08:31: haben außerdem das Bold Politics Ökosystem aufgebaut – es ist ein komplettes Medienökosystem, das läuft über Podcasts, Bücher, Doku's, Live-Shows….

00:08:41: wir versuchen eine ganze Welt rund um die Bold Politics aufzubauen!

00:08:45: Das Ganze hat inzwischen eine Million Podcast-Streams im Monat.

00:08:49: Zehn Millionen Instagram-Views pro Monat, fünffünfzigtausend YouTube-Abonnenten einen Buchdeal mit Pinguin dem größten Verlag der Welt und wir haben ausverkaufte Live-Podcastshows in Großbritannien in Hallen mit mehr als tausend Leuten.

00:09:06: Innerhalb von wenigen Monaten hat sich die Bekanntheit von Saig Polanski laut Hanson Low enorm gesteigert von zehntausend Instagram-Followern im September, zweitausendfünfundzwanzig auf siebenhunderttausende im Mai, zweitausendsechsundzwanzig.

00:09:23: Ja das klingt beachtlich!

00:09:25: Eine eigene Medienagentur und ein eigener Podcast – ungewöhnlich?

00:09:30: Was steht dahinter?

00:09:32: Durch die eigene Medienagentur ist es möglich, dass Polanski auch Sachen macht, die nicht so ganz parteikonform sind.

00:09:40: Zum Beispiel hat der Gäste in seinem Podcast die Anhänger von konkurrierenden Parteien sind – das hätte nur parteinahe Kampagnenorganisation wahrscheinlich nicht zugelassen!

00:09:52: Und warum?

00:09:54: Das Ziel der Kampagne war es Vertrauen und ein positives Narrativ aufzubauen.

00:09:59: Henson Lowe sagte, dass Politikerinnen in der Bevölkerung unheimlich an Vertrauen verloren haben – das sollte erst mal wieder hergestellt werden!

00:10:09: Wie macht man das am besten?

00:10:11: Durchzuhören.

00:10:12: Also wird der Kandidat Polanski dabei gefilmt wie er Menschen zuhört und der Podcast ist dann auf YouTube zu sehen.

00:10:22: Das ist die Grundlage der Linken.

00:10:24: Wir müssen den Communities zuhören und diese Informationen dann dahin weiter tragen, wo sie etwas bewirken – egal ob es darum geht Aufmerksamkeit für ein Thema zu schaffen oder konkrete Politik zu machen.

00:10:34: Und wir müssen auch sichtbar machen.

00:10:36: das wird zu hören.

00:10:39: Bei Sekt Polanski geht es im Podcast dann oft darum, dass er sich von einem Experten oder einer Expertin informieren lässt über ein bestimmtes Thema.

00:10:49: Er lässt sich beispielsweise von einem Wasserexperten erklären wie man die Wasserversorgung in Großbritannien verstaatlichen und damit sichern könnte.

00:10:58: Oder in einem anderen Podcast lädt er einen neunzehnjährigen Schulabgänger ein, der für das Amt des stellvertretenden Bürgermeisters in seinem Londoner Heimatbezirk Hackney kandidiert.

00:11:10: Und tatsächlich auch gewonnen hat.

00:11:12: Dylan Law heißt er.

00:11:14: Das sind gleichzeitig auch positive konstruktive Erzählungen.

00:11:19: Ja man ist dann quasi bei so Briefinggesprächen direkt mit dabei und das vermittelt Augenhöhe.

00:11:28: Über den Menschen, sondern er spricht mit ihnen direkt.

00:11:31: Das leuchtet natürlich total ein!

00:11:33: Genau und um noch mehr Reichweite zu schaffen hat die Kampagne um Polanski diesen Podcast auch live aufgenommen und Influencer ins Publikum eingeladen.

00:11:44: Insgesamt hat die Campagne sehr auf regelmäßigen Outputs und positive Inhalte gesetzt.

00:11:52: Wenn

00:11:52: der Content gut ist, konsistent kommt und du Woche für Woche auftauchst dann ist das wie ins Fitnessstudio gehen.

00:11:58: Wenn Du einmal hingehst siehst Du keine Ergebnisse aber wenn Du immer wieder hingest dann irgendwann

00:12:03: schon.".

00:12:06: Das waren jetzt Beispiele aus den USA und Großbritannien?

00:12:10: Wie sieht es denn in Deutschland aus?

00:12:12: Gibt's da ähnliche Ideen?

00:12:14: Ja klar, das gibt's auch.

00:12:15: Benedikt Döllmann zum Beispiel.

00:12:18: Er ist zwanzig Jahre alt, Student und setzt für die Grünen in Tübingen im Kreis- und Gemeinderat.

00:12:25: Außerdem ist er im Klimaschutz aktiv.

00:12:28: Da denken vielleicht viele erst mal – hört sich nicht so aufregend an!

00:12:32: Aber Benedikt hat eine Art gefunden wirklich unterhaltsam über die Themen dort und seine Arbeit auf Instagram zu posten Und erreich damit mehr als fifty-fünfzigtausend Follower.

00:12:44: Auf TikTok hat der mehr als elftausende Follauer und sein Claim ist, Kommunalpolitik wieder cool machen!

00:12:51: Und er hat bei der Academy ziemlich detailliert verraten wie er seine Posts macht.

00:12:56: Das große Problem was ich auch als angehender Umweltwissenschaftler wahrnehme ist Klimaschutz ist inhaltlich total auserzählt und das überrascht jetzt vielleicht nicht.

00:13:04: es geht um Storytelling.

00:13:05: wenn ich als kurzes Zwischenfahrtssitz sage wir müssen die besten Geschichten erzählen.

00:13:10: Wir müssen nicht nur die beste Politik machen, die besten Ansätze haben.

00:13:14: Die besten Lösungen haben sondern wir müssen sie auch so gut verkaufen dass Leute Teil von unserer Partie sein wollen und mitmachen wollen bei der kommunalen Wärmewende und den Windrädern

00:13:23: usw.,

00:13:24: bei der Verkehrswende.

00:13:25: Und wie erzählt man die besten Geschichten?

00:13:29: Ja da hat Benedikt die Leute wirklich detailliert mit in seinen Workflow genommen.

00:13:34: ich habe ein paar Punkte raus gefiltert.

00:13:37: Es fängt an mit einer Hook, das ist der erste Satz.

00:13:40: Und mit dem also gleich in den ersten ein zwei Sekunden musst du die Leute eigentlich schon für deine Geschichte interessieren?

00:13:48: Das waren bei Benedikt solche Sätze wie ich bin bei den grünen und hasse Windräder oder Ich bin Stadtrat und bekomme für nicht so viel Hate Wie.

00:13:59: und von da aus erzählt er dann eine Geschichte, die mit Kommunalpolitik zu tun hat.

00:14:04: Meine persönliche Erfahrung negative Emotionen funktionieren immer besser als positive, also zu sagen hey bei uns in Tübingen ist sowas cooles passiert.

00:14:14: Da könnte man denken das ist total inspirierend und die Leute freuen sich.

00:14:17: aber es funktioniert nicht und ihr könnt trotzdem versuchen Leute über negative Emotionen zu catch'n und dann das am Ende dem Video wiederzudrehen.

00:14:24: Außerdem eine Marke für die Person kreieren.

00:14:27: Bei ihm ist das zum Beispiel sein Thema Klimapolitik Dann schwäbelt er manchmal in den Clips und erstreut hier unter ein Witz ein.

00:14:35: Das ist wichtig, sagt er um die Leute im Laufe eines Videos nicht zu verlieren wenn viel Inhalt kommt – zum Beispiel viele Zahlen, wenn es um Kosten geht!

00:14:46: Und in dem Zusammenhang noch einen Tipp von Benedikt?

00:14:49: In den Sachverhalten nicht mehr erklären als notwendig.

00:14:53: Deshalb empfiehlt er auch immer ein Skript zu schreiben.

00:14:58: Dann scheint er ja zumindest viel Aufmerksamkeit zu bekommen.

00:15:01: Ich erinnere mich, dass ich neulich sogar im Spiegel einen Artikel über ihn gelesen habe aber hatte auch was dazu gesagt wie ihm das real also Seine ganzen Videos, seinen Ansatz wie ihm das real beim Politikmachen hilft?

00:15:16: Ja davon hat er auch erzählt.

00:15:18: Er sagt dass seine Videos auf jeden Fall in Tübing sehr wahrgenommen werden.

00:15:24: Es ist halt Kommunalpolitik man kennt sich und da kann so ein Video schon Wirkung haben.

00:15:30: wir haben in TÜBING meistens sehr breite Mehrheiten für unsere politischen Vorhaben.

00:15:34: es ist nicht so dass ich jetzt groß Abstimmungsverhältnisse drehen muss.

00:15:37: Aber es ist schon so, dass ich weiß wenn's drauf ankommt kann ich ein Video dazu machen und das hilft uns zumindest in der Öffentlichkeit und vielleicht auch ein bisschen mit Druck im Gemeinderat, dass wir damit dann unsere Abstimmung auch durchkriegen.

00:15:49: Und es schreiben mir extrem viele Leute, dass sie jetzt bei sich für den Gemeinderatkandidieren.

00:15:53: Also sein Motto, Kommunalpolitik cool zu machen hat Benedikt Döllmann offensichtlich schon erreicht.

00:16:00: Jetzt ist er ja so was wie eine One-Menschow.

00:16:03: das heißt der ist politisch aktiv und er ist sein eigener Social Media Manager.

00:16:09: Das geht nehme ich an ohne Reibungsverluste.

00:16:12: Er muss sich also mit niemandem

00:16:13: abstimmen.

00:16:14: Wie sieht es denn bei Bundespolitikerinnen aus?

00:16:18: Ja, da war die ehemalige Grün-Parteivorsitzende.

00:16:21: Jetzt ist sie Bundestagsabgeordneter Riccarda Lang bei der Akademie und Sie hat gesagt Politikerinnen haben immer noch viel zu viele Berührungsängste mit Social Media.

00:16:33: Gerade

00:16:33: wenn man vielleicht auch bestimmte Mechanismen nicht kennt.

00:16:35: Bei Social Media verstehen es die Bundestagabgeordneten manchmal mehr, manchmal weniger und dann muss ich eben auch etwas vertrauen was sich selbst nichts so machen würde.

00:16:43: aber dafür stelle ich mir ja auch Leute ein.

00:16:45: Außerdem hat sie gesagt, PolitikerInnen müssten ihre Social-Media-Mitarbeitenden ernster nehmen und auch Zeit investieren.

00:16:54: Nicht nur mal kurz zwischendurch fünf reingequetschte Minuten für ein Dreh.

00:16:58: Ricardo Lang setzt sich mit ihrer Social-Mediamanagerin regelmäßig zusammen damit die eben auch weiß wie sie tickt.

00:17:06: Ich verbring' mit Luna, nehmens Social Media macht einfach auch verdammt viel Zeit!

00:17:10: Und wir reden über Dinge und wir reden aber Politik als ist natürlich schon so.

00:17:13: wie gesagt Wir machen alle halbe Jahre in Profilbilden Bildungstermin, wo wir uns wirklich überlegen wer will ich als Politikerin sein und was muss damit reinkommen?

00:17:20: Die besten Witze entstehen aber trotzdem meistens noch spontan.

00:17:24: Ja, pro Witze... Ich finde das persönlich manchmal ziemlich heikel wenn Politikerinnen in sozialen Medien witzig sind wollen.

00:17:31: Das trifft nicht jeden nerv würde ich sagen.

00:17:34: also es gelingt nicht immer Mal mehr, mal weniger.

00:17:37: Manchmal ist es auch fast borderline peinlich.

00:17:40: Wie geht Riccarda lang denn damit um so viele unterschiedliche Gespecker zu befriedigen?

00:17:46: Ja das hat sie auch thematisiert.

00:17:48: Sie findet Humor und Ernsthaftigkeit schließen einander nicht aus.

00:17:54: Politiker sollten ihr Amt ernst nehmen, sich selbst aber nicht unbedingt.

00:17:59: Selbst Ironie schafft Nähe und Glaubwürdigkeit.

00:18:02: Humor darf aber nicht in Arroganz umschlagen oder dass man anderen gegenüberverächtlich wird.

00:18:09: Sie hat verraten das sie am Anfang versucht hat ernster zu sein als sie eigentlich ist Und das hat auf Dauer nicht funktioniert

00:18:23: was ich auch zurückgemeldet bekommen habe, teilweise von Freunden in der Partei.

00:18:28: Aber auch sogar konservative Journalisten mit denen ich mal Abendessen gegangen bin die danach zu meinten Frau Langsie sind ja total witzig.

00:18:35: das hätte ich ja gar nie gedacht.

00:18:36: also wo ich so gemerkt hab ganz viel von mir kommt nicht mehr außen an.

00:18:40: Also es ist wichtig sich auf Social Media authentisch zu zeigen und nicht zu versuchen irgendeinen Charakter zu spielen.

00:18:48: bei manchen Politikerinnen sieht man ja auch dass sie selbst Ein bisschen fremdeln mit dem Medium.

00:18:54: Das hat Riccadalang auch angesprochen und sie hat dazu geraten, dass das dann einfach dazugehört und man das nicht überspielen muss.

00:19:03: Jetzt haben wir ja vor allem über Personenaccounts gesprochen – wie sieht es denn aus wenn man Ideen progressive Inhalte bewerben will?

00:19:12: Ja, ganz spannend.

00:19:13: Da gab es ein Panel zum Thema Feminismus mit vier Expertinnen und da wurden einige Beispiele genannt wie Social-Media geholfen hat oder sogar dafür gesorgt hat dass die Politik Themen aufgreift – z.B.

00:19:40: Bring Back Our Girls, nachdem eine Terrororganisation in Nigeria zweihundertsechsohnzebzig Mädchen entführt hat.

00:19:49: Oder auch zweitausendzweiundzwanzig im Iran, nach dem Massah Amini von der Sittenpolizei festgenommen wurde und drei Tage später im Krankenhaus gestorben ist.

00:20:00: Der Grund für die Festnahme damals war, dass sie ihr Kopftuch nicht richtig getragen hatte.

00:20:06: Die Aktivistin Daniela Seperi hat gesagt, die Frau-Leben-Freiheit-Bewegung ist zwar offline entstanden.

00:20:14: Aber über soziale Medien konnte sie sich erst in der Welt verbreiten.

00:20:18: Also wenn es die Journalistinnen Nilou Fahrau Mediou und Eloy Mohamedini nicht gegeben hätte, die an ihrem Krankenhausbett aber auch bei ihrer Beerdigung darüber berichtet und Fotos mit dem Netz geteilt hätten, hätte es gar nicht diese weltweite Solidarität gegeben.

00:20:32: Diese Social Media Beiträge sind Beweismaterial gewesen, was dann die später die unabhängige Fact Finding Commission der Vereinten Nationen auch benutzt hat um festzustellen dass da Verbrechen gegen die Menschlichkeit von dem Regime angewandt worden sind und eben es gab eine weltweite Solidarität.

00:20:51: Ja das ist beeindruckend vom Hass auf Frauen im Iran zum Hass auf frauen im Netz.

00:20:57: damit sind ja leider ganz viele Frauen konfrontiert die sich online äußern.

00:21:02: Ja, das ist ja bei ganz vielen Frauen so dass sie überwiegend Hass von Männern abkriegen.

00:21:07: Auch Daniela Sepere hat von Vergewaltigungs- und Morddrohungen berichtet und gleich mehrere Beispiele genannt wie die zuständigen Behörden oft die Anzeigen fallen lassen weil die Plattformen die Daten der Täter nicht rausrücken.

00:21:24: aber sie hatte auch gesagt wie sich vor zu viel Hass schützt.

00:21:27: Ja, also einmal was ihr alle ganz konkret machen könnt.

00:21:31: Das mache ich immer wieder in härteren Phasen.

00:21:33: bei Instagram gibt es zum Beispiel die Möglichkeit zu limitieren das heißt ihr könnt angeben Ich mach' das wenn gerade sehr stark Hasswelle gegen mich ist dass nur die Kommentare angezeigt werden von Leuten die mir seit länger als einer Woche folgen.

00:21:46: Das ist eine Möglichkeit.

00:21:49: aber man kann auch bei TikTok zum Beispiel verschiedene Begriffe aus den Kommentaren wegfiltern Oder wenn das ganz hart ist, kann man Kommentare auch sperren.

00:22:00: Für feministische Inhalte ist es auch ganz wichtig dass man umgeht, dass die Plattformen die Reichweite heimlich einschränken – das nennt sich Shadowbanning!

00:22:10: Das passiert oft beim Thema Recht auf Abtreibung.

00:22:13: Das hat Emma Willisch von der Initiative Nur Ja heißt ja erzählt.

00:22:18: Wir haben zum Beispiel auch mal eine Kampagne gemacht für Grundrechtabtreibung.

00:22:21: Wir wurden erst einmal komplett runtergenommen und da mussten wir halt total gucken, okay wie macht man Girding?

00:22:26: Wie zensiert man das solche Sachen im Internet bleiben?

00:22:30: Emma hat auch darauf hingewiesen dass es ganz wichtig ist, dass man sich offline vernetzt unverbündet also nicht nur Social Media macht sondern auch andere Kampagnen, Demos organisiert und auch den Kontakt zu Politikerinnen sucht.

00:22:46: Ja, das wollte ich auch gerade sagen über soziale Medien können solche Initiativen ja eigentlich nur in Anführungsstrichen Aufmerksamkeit herstellen aber damit ist ja noch nicht wirklich was verändert.

00:22:59: Auf jeden Fall, das wurde auch von den Expertinnen gesagt – dass Aufmerksamkeit lediglich eine Währung ist und dass echte Veränderungen manchmal sehr lange dauert.

00:23:10: Es gibt dieses Zusammenspiel von öffentlicher Aufmerksamkeit, Gelegenheit und einer aktuellen Regierung.

00:23:19: Das ist eine Theorie von dem Politikwissenschaftler John W. Kingston Und dann kann es gelingen, etwas zu verändern.

00:23:27: Charlotte Obermeier, die stellvertretende Leiterin Presse von der Fraktion Bündnis Neunzig – Die Grünen nannte da als Beispiel «Die Abschaffung des Werbeverbots für Abtreibungen».

00:23:39: Da gab es ja die Ärztin Christina Hähneln, die sich seit zehntes Jahr lang gegen das Verbot werte.

00:23:47: Dadurch wurde öffentliche Aufmerksamkeit mobilisiert.

00:23:53: Bundestagswahl und die damals neue Ampel-Regierung hat sich auf eine Abschaffung geeinigt.

00:24:00: Und, in den vergangenen Jahren wurde das Gesetz dann endlich gestrichen – das nebenbei noch aus dem Jahr für Social Media.

00:24:10: Profis heißt, dass sie sollten vorbereitet sein falls sich so ein Window of Opportunity öffnet.

00:24:17: Du musst vorbereitet mit Sachen in der Schublade,

00:24:20: die du einfach hast

00:24:21: und das muss nicht jetzt nur juristisch sein.

00:24:23: Das kann ja auch eine Vorbereitung sein für Kampagnen zum richtigen Moment, um die richtige Idee aus der Schuplade zu ziehen, die man aber schon mal vorüberlegt hat.

00:24:31: Und dieses Vorbereitetsein auf Eventualitäten und dann aber auch bereit zu sein und auszuhalten – das ist teilweise wirklich

00:24:38: sehr lange dauern.

00:24:39: kann, bis sich Aufmerksamkeit wirklich in eine Machtperspektive

00:24:42: umsetzt.

00:24:43: Das ist glaube ich so das was ich mir wünsche.

00:24:46: Ja, Aufmerksamkeit schaffen die irgendwann eine Macht-Perspektive werden können.

00:24:52: Gab es dafür noch andere Beispiele Bettina?

00:24:56: Ja ein Thema war auch Kommunizieren im Osten Deutschlands.

00:25:00: Es gibt im September Landtagswahlen in Sachsen Anhalt und Mecklenburg Vorpaumern und die aktuellen Umfragen machen es dringend.

00:25:09: Es war zum Beispiel der dreiundzwanzig Jahre alte Content-Creator, Aktivist und Gewerkschafter Hannes Kreschel zu Gast.

00:25:17: Er besucht AfD-Veranstaltungen, spricht mit Demonstrierenden und filmt direkte Konfrontation.

00:25:24: Seine Videos sollen zeigen wie Rechte Narrative funktionieren und ihn öffentlich widersprechen – dabei ist er immer er selbst und nutzt seine persönlichen Erfahrungen!

00:25:35: Ich glaube, authentisch zu sein.

00:25:37: Das ist super wichtig!

00:25:38: Nutzerinnen und Nutzern wollen halt Geschichten.

00:25:41: Sie wollen Menschen sehen, Menschen folgen Menschen.

00:25:43: Und ich glaube das ist das Allerwichtigste.

00:25:45: sich zu vergegenwärtigen, so sagen...

00:25:47: ...ich bin eine Person, habe eine Geschichte

00:25:48: und diese Geschichte versuche ich mit meinem Content irgendwie zu verbinden.

00:25:51: Meine Geschichte zum

00:25:52: Beispiel ist, ne?

00:25:53: Ich hab irgendwann mal

00:25:54: die AfD gewählt

00:25:55: aus

00:25:55: bestimmten Gründen.

00:25:56: So mein Vater is ein krasser Schwurbler und das finde ich total doof.

00:26:01: aber ich versuche mit diesen Learnings, die ich daraus habe mich dem dort entgegenzustellen wo es vor Ort ist und versuche das aufzugreifen um daraus was besseres irgendwie zu machen.

00:26:10: Auf dem Podium war auch noch Luna Möbius.

00:26:13: von ihr haben wir schon gehört.

00:26:14: sie is digital creator und macht Social Media Content für Ricardo Lang.

00:26:20: Sie hat aber auch persönliche Kanäle und auf denen zeigt sich die Transfrau als Aktivistin für queeres Leben.

00:26:27: Sie postet aber auch Geschichten zu Mental Health oder aus deutscher Identität, dabei arbeitet sie oft mit Humor, aber auch mit Wut.

00:26:36: Ich glaube wir sind alle nicht wütend genug Und deswegen ist mein Ansatz diese Wut auch zu mobilisieren, aber eben nicht einfach uns alle Wüten zu machen.

00:26:44: Also einfach nur ein Video zu schreien und alles Scheiße und dann Jolo und das Video ist vorbei weil es bringt ja niemanden was sondern immer noch mal die Wut einzufangen um zu sagen Was machen wir jetzt daraus?

00:26:55: Also Wut als politischer Antrieb.

00:26:57: worauf ist sie denn besonders wütend?

00:27:00: Ja, vor allem auf Westdeutsche die wenig vom Osten kennen und von oben her absprechen oder auf die wirtschaftliche Ungleichheit von West- und Ost.

00:27:10: Außerdem das rechtsextreme Versuchen eher das Ostdeutscher abzusprechen – und dass es zu wenige richtig progressive Stimmen aus dem Osten gibt!

00:27:21: Man kann vielleicht sagen, dass Luna und Hannes auf sehr persönlicher Art und Weise progressive Inhalte aus Ostdeutzland machen und dass das wirkt, weil sie eben so authentisch und unverstellt dabei sind.

00:27:34: Ich würde gerne nochmal die Social Media Plattform selbst ansprechen.

00:27:39: Es wurde ja schon deutlich, dass die keine freien Räume mehr sind.

00:27:43: heimliche Einschränkungen von Reichweite, Shadowbanning hatten wir gerade frauenfeindliche Algorithmen.

00:27:50: manchmal werden ganze Inhalte einfach gelöscht.

00:27:53: Hate Speech, außerdem gelten die Besitzer wie Max Zuckerberg und Elon Musk inzwischen als Trump Verbündete.

00:28:00: Wie kann man... Wie will man überhaupt als progressiver mit den Zusammenarbeiten?

00:28:06: Ja, das ist eine gute Frage.

00:28:08: Im Mai haben ja die Bundesparteien Die Linke, Bündnis Neunzig, Die Grünen und die SPD die Plattform X verlassen.

00:28:17: Der Grund zu viel Desinformationen Zuviel Hass Hetze Und aggressive Diskussionskultur.

00:28:24: der Journalist Gavin Karlmeier hat Das Als überfällig bezeichnet.

00:28:30: natürlich auch diskutieren, ob diese Plattform nicht möglicherweise vielleicht schon immer eigentlich verloren war.

00:28:36: Ob die Plattform sich in den letzten Jahren so stark in dieser Richtung entwickelt hat in der Diskussion gar nicht mehr möglich ist?

00:28:42: Weil die Leute, die Geld bezahlen damit die Reichweite und Blauen Haken haben, Kommentare schreiben, die immer weiter oben angezeigt werden das dazu führt dass wenn ich Kommentare lese sofortes Gefühl habe der Diskurs findet viel weiter rechts im Mittelstadt weil wer von uns gibt dann Geld an Elon Musk?

00:28:56: Der ehemalige Videografer von Barack Obama Aaron Shodory hält es für einen großen Fehler, sich als Politikerin oder Partei von X abzumelden.

00:29:09: Er hat gesagt viele Medien behandeln ein Statement dort noch immer wie eine offizielle Pressemitteilung – wenn das selbe Statement auf Instagram veröffentlicht wird, wird es lediglich als Post behandelt also nicht wirklich von der seriösen Presse wahrgenommen!

00:29:24: Auch YouTube hält er für unverzichtbar.

00:29:32: Selbst wenn ihr auf YouTube niemand zuschaut, musst du auf YouTube sein.

00:29:35: Denn wenn ich auf YouTube gehe und dein Video anschaue, darf ich meine Meinung ändern.

00:29:39: Wenn ich mir deinen Zeug auf TikTok anschaube, muss ich eigentlich schon deinen supporter sein.

00:29:44: Sonst bin ich eher als Hater da.

00:29:45: Die Plattformen haben einfach unterschiedliche Funktionen und Stimmungen – und ich würde keine davon weglassen!

00:29:53: Aaron Shodery hat gesagt, die Leute, die noch auf X sind, sind die, die mal links waren und die man eben auch dort zurückgewinnen kann.

00:30:04: Alternativen zur X lehnt er ab!

00:30:11: Aber gleichzeitig verschwindest du dann Energie auf so dumme Sachen wie Blue Sky oder Threads?

00:30:17: Und ich will niemanden beladigen der da unterwegs ist aber... Was macht ihr da eigentlich?

00:30:20: Sucht euch echte Freunde.

00:30:22: Das wirkt einfach wie eure Freundesgruppe online, da gibt es nicht mal Rezepte oder irgendwas Interessantes!

00:30:27: Ich verstehe das überhaupt

00:30:29: nicht.".

00:30:32: Ja, das ist schon ein bisschen zum Schmunzeln, wie er das erzählt – aber da kann er sich wohl auch nicht so gut in die EuropäerInnen hineindenken, vermute ich.

00:30:42: Europa ringt ja um Souveränität einer Plattform und Blue Sky erst einmal... Der kleine Ausweg.

00:30:48: Gab es denn noch richtige Tipps, wie man die Plattform nutzen kann ohne sie gleich zu supporten?

00:30:54: Ja, die kam von Ross Hanson Lowe der die Werbung für Sajk Polanski von den Grünen England und Wales macht.

00:31:02: Er hat gesagt er ist gegen bezahlte Werbung.

00:31:06: Die kann man ja als Kunde bei den Plattform auch schalten!

00:31:13: Ich habe

00:31:13: keine bezahlten Werbeposts für Sex-Content geschaltet.

00:31:17: Unser ganzes Wachstum kam organisch, ohne Investitionen und ohne Staatkapital – und das haben wir geschafft indem wir den Algorithmus für uns genutzt

00:31:25: haben.".

00:31:26: Der Algorithmus ist ein großartiges Tool, um zu verstehen was guter Content ist und was nicht.

00:31:31: Gebt Zuckerberg nicht euer Geld?

00:31:32: Investiert lieber in gute Leute, investiert in Talent, in gute Content-Creator Und wenn ihr Geld habt dann steckt es in guten Content von echten Menschen.

00:31:45: Echte Menschen, guter Inhalt.

00:31:47: Eigentlich ein richtig schönes Schlusswort bei Tina.

00:31:51: Was nimmst du denn von der dritten Social Media Academy der Heinrich-Böll-Stiftung jetzt mit?

00:31:57: Also ich war doch irgendwie überrascht wie sehr politische Inhalte auf Social media über krasse Personalisierung vermittelt werden.

00:32:06: Bei Sorin Mamdani ist das klar.

00:32:09: er hat sich ja selbst sozusagen als Bürgermeisterkandidat für New York City beworben oder bei Sekt Polanski, dem Vorsitzenden der Grünen England und Wales.

00:32:20: Aber eigentlich ist es auch nicht wirklich ein Wunder.

00:32:23: Menschen folgen Menschen – das wurde mehrmals in diesen drei Tagen gesagt!

00:32:28: Und ich denke so lange sich Menschen noch für Menschen interessieren habe ich die Hoffnung noch nicht verloren, nicht für Social Media und auch sonst nicht.

00:32:36: Klingt gut.

00:32:37: Vielen Dank Bettina für deine Eindrücke.

00:32:39: Sehr gerne.

00:32:41: Das war ein Podcast in der Reihe Böl Podcast.

00:32:44: Unser Thema heute war die dritte Social Media Academy der Heinrich-Böll-Stiftung, das Motto war Digitale Aufholjagd für die Demokratie!

00:32:54: Die nächste Folge erscheint wieder in zwei Wochen, dann geht es um das Berlin-Forum für globale Zusammenarbeit.

00:33:02: Diese Reihe und alle weiteren Podcasts der Heinrich Böll Stiftung könnt ihr auf der Podcastapp eurer Wahl abonnieren, Für Feedback und Anregungen schreibt uns eine E-Mail an podcastatböll.de Und empfiehlt uns gern weiter!

00:33:16: Mein Gast hier heute war Bettina Ritter vom Audio Kollektiv.

00:33:19: Ich bin Mandy Schielke.

00:33:21: Macht's

00:33:24: gut?

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