Digital, kreativ, weiblich – Strategien der Gen Z Bewegungen

Shownotes

Wie verändert die Gen Z weltweit Protestkultur – und warum müssen Frauen als Anführerinnen dieser Bewegungen sichtbar bleiben?

Zitat der Folge

„Ich denke, die Frauen, die die Proteste anführen, haben die Deutungshoheit fest im Griff. Sie werden nicht zulassen, dass irgendjemand sie ins Abseits drängt. Und genau deshalb habe ich diesen Artikel geschrieben, um sicherzustellen, dass die Frauen, die die Führung übernehmen, als die Anführerinnen der Bewegung anerkannt werden.“

Emitomo Tobi Nimisire, Autorin, Forscherin und Beraterin für reproduktive Rechte, Nigeria

Episodenbeschreibung

Seit den 2020er Jahren gehen weltweit junge Menschen gegen autoritäre Regime, Korruption und wirtschaftliche Unsicherheit auf die Straße – unter anderem in Nepal, Indonesien, Madagaskar, Nigeria oder auf den Philippinen. Die Gen Z nutzt Internetplattformen, soziale Medien und kreative Protestformen, um sich zu organisieren, Öffentlichkeit zu schaffen und politischen Druck aufzubauen.

In vielen dieser Bewegungen spielen Frauen eine zentrale Rolle: als Organisatorinnen, Identifikationsfiguren, Aktivistinnen oder Teilnehmerinnen. Trotzdem bleiben sie in der Medienberichterstattung oft unsichtbar. Und selbst wenn Proteste politische Veränderungen oder Regimewechsel anstoßen, gelangen Frauen nicht automatisch in politische Verantwortung.

Die Heinrich-Böll-Stiftung untersucht in ihrem Gen-Z-Dossier „Gen Z: Voices of a Global Generation“ Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser Bewegungen. In dieser Folge sprechen wir mit Aktivistinnen, Autorinnen, Forscherinnen und Künstlerinnen aus Nigeria, Nepal, Indonesien und Sri Lanka über Protest, Geschlechtergerechtigkeit, politische Teilhabe und die Frage, was die Gen Z weltweit verbindet.

Kapitel mit Zeitmarkierungen

• (00:00) – Definition der Generation Z

• (04:53) – Proteste für Gerechtigkeit im Fall Ocania

• (08:18) – Discord als politische Diskussionsplattform

• (12:05) – Rapper als Regierungschef in Nepal

• (15:12) – Frauen in Protestbewegungen

• (17:53) – Reden über Burnout und Mentorship

• (22:50) – Rückschritte und Proteste in Bangladesch

• (24:11) – Frauen als Anführerinnen der Bewegung

Unsere Expert*innen

Emitomo Tobi Nimisire
• Autorin, Forscherin und Beraterin für reproduktive Rechte, Nigeria

Loveth Liberty
• Autorin und Spoken-Word-Performerin, Nigeria

Sanskriti Pandey
• Aktivistin für die Anliegen junger Menschen sowie für sexuelle und reproduktive Rechte, Nepal

Sarthak Bhattarai
• Aktivist für politische Reformen, Nepal

Michelin Sallata
• Aktivistin für die Rechte indigener Menschen, Indonesien

Sulochana Peiris
• Dokumentarfilmerin, Forscherin und Autorin, Sri Lanka

Hintergründe auf boell.de

• Web-Dossier „Gen Z: Voices of a Global Generation“: [🔗 https://www.boell.de/en/gen-z-voices-global-generation]

Weiterführende Artikel und Quellen

• Loveth Liberty: „In Another Story“ – Spoken-Word-Gedicht: [🔗 https://www.boell.de/en/2023/11/12/another-story]

„Dry“ – Spielfilm über Kinderehe und sexualisierte Gewalt von Stephanie Linus: [🔗 https://www.youtube.com/watch?v=yctwblYQl4g]

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Gebündelt und auf den Punkt gebracht: böll.podcast ist das neue Podcastformat der Heinrich-Böll-Stiftung. Hier sprechen unsere Hosts Mandy und Jule jede Woche mit Gäst*innen über Politik, Gesellschaft und Umwelt. Es geht um Ideen, Konflikte und Fragen, die uns heute bewegen und unser Morgen prägen. Jede Folge eröffnet neue Blickwinkel und lädt dazu ein, gemeinsam weiterzudenken.

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Credits: CC-BY-NC-ND, Urheberin ist kat dems; Bearbeitung: hbs.

Transkript anzeigen

00:00:00:

00:00:02: Was sie auszeichnet ist dieser Mut, diese Fruchtlosigkeit.

00:00:06: Als hätten sie überhaupt keine Angst und dass sie Kunst und andere Mittel verwenden um ihren Einsatz gegen Ungerechtigkeit zu

00:00:14: unterstützen.".

00:00:19: Das war die nigerianische Autorin, Feministin und Protestforscherin, Nemisire Emitomo.

00:00:26: Weltweit gab es im Jahr zwanzigundzwanzig große Jugendproteste in Nigeria, Nepal, Indonesien, Madagaskar oder auch auf den Philippinen.

00:00:37: In einigen Fällen setzten die Proteste so viel veränderungskraftfrei dass Regierungen gestürzt werden konnten.

00:00:45: Wir sprechen in dieser Folge darüber, was diese Proteste miteinander verbindet.

00:00:50: Inhaltlich aber auch was die Protestformen angeht und wir schauen uns in der Folge Böl Podcast genauer an welche Rolle Frauen in den Bewegungen

00:01:00: gehabt

00:01:01: haben.

00:01:01: Ich bin Mandy Schielke und bei mir ist Franziska Weiser vom Audio-Kollektiv.

00:01:07: Hallo Franziska und willkommen zu diesem Podcast!

00:01:21: Franziska, kurz zur Klärung.

00:01:22: Die Jugendproteste wurden unter dem Stichwort Jensie-Proteste zusammengefasst.

00:01:27: Wenn wir über die Generation Z sprechen, wer genau ist damit gemeint?

00:01:34: Es schwankt ein bisschen der Zeitraum eurer Jensi.

00:01:36: Das sind normalerweise gemeinte junge Menschen, die ungefähr zwischen nineteen und zweitausendzehn geboren sind.

00:01:41: D.h.,

00:01:41: sie sind heute so fünfzehn bis maximal dreißig Jahre alt.

00:01:45: Und was neben dem Alter entscheidend ist für diese Generation, dass sie eben komplett mit dem Internet und auch mit Smartphones aufgewachsen sind.

00:01:51: Das sind also wirkliche digital Natives und das hat natürlich Auswirkungen darauf wie Sie denken, wie Sie kommunizieren, wie sie Gemeinschaft leben und eben auch – und es wird später noch wichtig – darauf wie sie protestieren.

00:02:03: Noch eine Sache zu Gen Z. in Deutschland sind es ja relativ wenige Menschen weil wir in der alternden Gesellschaft leben.

00:02:08: Also hier machen die fünfzehn bis dreißigjährigen nur dreizehn Prozent der Bevölkerung aus.

00:02:13: Aber in den Ländern des globalen Südens, also Afrika oder Südasien da ist es ganz anders.

00:02:18: Nigeria zum Beispiel ist nicht nur das bevölkerungsreichste Land des afrikanischen Kontinents.

00:02:23: Es ist auch eines der weltweit jüngsten Länder und hier sind dreißig Prozent der Bevölkerung zwischen fünfzehn- und dreißzig Jahren alt Und das macht natürlich so ein Bewusstsein wie sind viele?

00:02:33: und bringt dann auch ein besonderes Selbstbewusstsein.

00:02:36: Ja, wir sind viele als Klammer natürlich.

00:02:39: Was haben die Proteste neben dem Alter der Beteiligten denn noch so gemeinsam?

00:02:43: Also man kann schon ein verbindendes Muster erkennen.

00:02:46: damit so einen Protest wirklich an Fahrt aufnimmt müssen eigentlich zwei Sachen zusammenkommen.

00:02:51: das erste ist eine grundsätzliche Unzufriedenheit.

00:02:54: also ich sehe für mich keine wirtschaftliche Perspektive.

00:02:56: es gibt zum Beispiel hohe Jugendarbeitslosigkeit steigende Lebenshaltungskosten sowas Und dann verbunden mit dem Eindruck oft auch, dass es eben fest etablierte, oft viel ältere politische Eliten gibt die autoritär regieren und sich dann auf Kosten der Jugend bereichern.

00:03:12: Dann braucht's noch was zweites nämlich einen konkreten Auslöser.

00:03:14: das ist wie so ein Streichholz kann man sich vorstellen was auf einem ausgetrockneten Waldboden fällt und dann gibts eben flächenbranden Protest.

00:03:22: In Nepal war dieser Auslöser zum Beispiel das Verbot von Social Media Plattformen.

00:03:27: Das hat der Nepalisische Aktivist Satak Bhattarei in dem englischsprachigen Bölg-Podcast Viral Resistance Gen Z Revolution Justice Across Asia meiner Kollegin Esther Pinheiro gesagt.

00:03:44: Wir hatten die Nase voll von unserer Regierung, seit Jahren waren dieselben Leute an der Macht alte Leute, die nicht unsere Sprache sprechen, die den Lauf der Zeit nicht begreifen.

00:03:54: Der eigentliche Auslöser war ein Social-Media-Verbot.

00:03:58: Viele Menschen sind heute süchtig nach sozialen Medien, das ist ihre Einkommensquote, ihre Unterhaltung, ihre Kommunikation einfach alles.

00:04:06: Also organisierten wir an diesem Tag Proteste gegen die Korruption und gegen das Social Media Verbot.

00:04:12: Es kam mehr Menschen auf die Straße als erwartet Und es kam zu einem schrecklichen Massak.

00:04:21: In Nepal ist die Situation im September, dann richtig eskaliert.

00:04:25: Es gab Plünderungen, das Parlament und andere Gebäude wurden niedergebrannt.

00:04:29: Die autoritäre Regierung in Nepal hat versucht, die Proteste mit Polizei und Militär einzudämmen.

00:04:35: Da wurden innerhalb von achtundvierzig Stunden mindestens sechsen- siebzig Menschen getötet und über zweitausend verletzt.

00:04:41: Aber so muss es nicht unbedingt laufen!

00:04:43: In Nigeria gab's ziemlich zeitgleich auch große Gensiproteste auf den Straßen – und die sind friedlich geblieben.

00:04:50: Was war denn in Nigeria der konkrete Auslöser?

00:05:00: Und der Fall wurde nur unvollständig aufgeklärt.

00:05:22: Es ist niemand zu Rechenschaft gezogen worden, und das hat dann die Proteste ausgelöst.

00:05:27: Interessanterweise, Ocania ist schon in den letzten Jahren gestorben.

00:05:30: Die Proteste haben erst im Jahr- und Zwanzig so richtig Fahrt aufgenommen.

00:05:34: sieben Jahre später weil eben die Wut gewachsen ist darüber dass noch nichts passiert ist auch nach sieben Jahren.

00:05:39: Ocanya ist die Symbolfigur aber es gibt natürlich noch viel mehr solcher Fälle sagt Nimiziri Emitomo.

00:05:47: Die hat für das Jansi-Dosier der Bölschstiftung ein Essay über die Justice for Oceania Bewegungen geschrieben und hat dafür mit mehreren Aktivistinnen gesprochen.

00:06:04: Es gab mehrere Fälle, in denen junge Frauen angegriffen und sexuell missbraucht wurden.

00:06:10: Bis hin zum Tod bis hin zum Femizid.

00:06:13: In den vergangenen zwei oder drei Jahren wurden in Nigeria hunderte von Mädchen getötet.

00:06:20: es gab aufsehenerregende Fälle in denen sogar Prominente von ihren Partnern getötete worden.

00:06:25: Ocania war im Grunde genommen ein Symbol dafür, dass wir es satt hatten.

00:06:30: Dass das Justizsystem unsere Stimmen nicht hört und die Täter nicht zur Rechenschaft

00:06:36: sieht.".

00:06:39: Über die Jugendproteste gegen autoritäre Regime zum Beispiel in Nepal, Bangladesch oder Nigeria sprechen wir in dieser Folge Böl Podcast.

00:06:49: Franziska du hast gesagt Justice for Ochania war ein Hashtag das heißt es wurde vor allem online mobilisiert?

00:06:56: Genau, weil es eben digital natives sind wie wir gerade schon festgestellt haben und das ist ganz typisch für alle Gensiproteste eigentlich.

00:07:03: Diese Generationen die mit Smartphones, mit Messaging-Apps, mit Plattformen aufgewachsen – das ist der Zugang der Welt für sie!

00:07:09: Und damit auch der Zugangs zur Politik.

00:07:12: Hören wir dazu mal eine Perspektive aus Sri Lanka, die Dokumentarfilmemacherin und Forscherin Sulochana Peres.

00:07:19: Das Internet war sehr wichtig, um mit anderen Bürgern und auch anderen Aktivisten zu kommunizieren.

00:07:24: Es geht also um Mobilisierung, Kommunikation und den Aufbau von Solidarität,

00:07:30: um

00:07:30: Proteste, um Narrative und die Gestaltung –

00:07:33: all das!

00:07:34: Soziale Medien spielten eine große enorme

00:07:36: Rolle.".

00:07:37: Der Hersteg im Fall von Sri Lanka war Go Home Guter?

00:07:41: Eine Rücktrittsforderung an den Präsidenten Gotabaya Raja Paxi, der für die ökonomische Krise des Landes verantwortlich gemacht wurde.

00:07:49: Das war schon in dem Jahr und deshalb gilt Sri Lanka auch so ein bisschen als der Vorreiter für die Gensiproteste.

00:07:55: Zu der Online-Mobilisierung gehören aber nicht nur Informationen oder auch Demoaufrufe sondern da gibt es auch kreative Formen zum Beispiel Social Media Memes also mit Witzwitter mobilisiert Und in Nepal gingen die Online-Vernetzungen sogar so weit, dass die Übergangspräsidentin Soshila Kaki auf der Gaming App Discord gewählt wurde sozusagen.

00:08:17: Wie ist das gemeint?

00:08:18: Discord war anders als die meisten sozialen Netzwerke nicht von dem Verbot betroffen und hat sich dann im September zur wichtigsten politischen Diskussionsplattform entwickelt also abseits des Gamings – da waren auch junge Nepalese zum Beispiel aus der Diaspora sehr aktiv Und es gab einen Discord-Server, der hieß Use Against Corruption von der NGO Hami Nepal.

00:08:39: Das heißt wir sind Nepal und da haben dann hunderttausende Userinnen eine Wahl simuliert über Discord.

00:08:46: Und Shoshila Kaki das war die oberste Richterin und er hat sich immer gegen Korruption eingesetzt.

00:08:52: Die hat neunundsechzig Prozent der Stimmen bekommen.

00:08:55: Jetzt war die Wahl natürlich nicht offiziell und auch nicht repräsentativ weil eben vor allem junge Menschen mitgemacht haben.

00:09:01: Aber die OrganisatorInnen haben dann trotzdem erfolgreich mit dem Armee-Chef verhandelt.

00:09:06: Und Susheela Kaki wurde dann der erste Frau an der Spitze in Nepal bis zu den offiziellen Neuwahlen, die im März dieses Jahres stattgefunden haben.

00:09:14: und da wurde dann Balindra Shah gewählt, der ist thirty-five Jahre jung und besser bekannt unter seinem Rapper namen Balin.

00:09:23: Seine Lyrics waren so was wie das Soundtrack für die Gen Z-Proteste in Nepal.

00:09:28: Ja, total interessant.

00:09:29: Wie wurden bei der Justice for Oceania Bewegung in Nigeria denn Messenger- und soziale Netzwerke genutzt?

00:09:37: Ja, schon ähnlich wie in anderen Bewegungen.

00:09:39: Es gab da Meinungsaustausch und es wurde organisiert.

00:09:42: Eine Besonderheit hier in Nigeria war dass das Internet auch dabei geholfen hat über Sprachgrenzen hinweg zu mobilisieren.

00:09:50: Das ist eine große Herausforderung denn in Nigeria werden neben der Amtssprache – das ist Englisch – über fünfhundert andere Sprachen gesprochen.

00:09:57: Das hat mir Nimi Siri Emitomo erzählt.

00:10:06: Was ich bemerkenswert finde, ist die Tatsache, dass Feministinnen eine Zusammenfassung desfalls in ihre lokalen Sprachen übersetzt haben.

00:10:15: Eine der Feministenen, die ich für diesen Artikel interviewt habe, erklärte den Fall auf Idoma – der Sprache, die im Bundesstaat Benua gesprochen wird aus dem Ocania stammt!

00:10:26: Andere erklärten den Fall auf Pitchin und in anderen lokalen Sprachen Nigeria's.

00:10:32: So konnten auch ältere oder weniger gebildete Menschen, die kein Englisch sprechen verstehen wie schwerwiegend dieser Fall ist damit sie Mitgefühl entwickeln und sich der Bewegung anschließen.

00:10:47: Und auch in anderen Regionen hat das Internet dabei geholfen, marginalisierte Gruppen und ihre Interessen mit einzubeziehen.

00:10:54: Zum Beispiel die indigene Bevölkerung in Indonesien.

00:10:57: Da haben sich durch Online-Diskussionen Schnittstellen mit jungen Menschen in der Hauptstadt Jakarta gefunden – und das hat den Protest auf den Straßen dann erst so richtig wirkungsvoll und groß gemacht!

00:11:07: Das sagt die Indigene Aktivistin Michelin Salata, Wir

00:11:19: sind rechtlich nicht anerkannt, deshalb werden wir meistens auch nicht gefragt, wenn es in unseren indigenen Gemeinschaften zu Abholzungen oder der Vergabe von Bergbaukonzessionen kommt.

00:11:29: Hier gibt es eine Verbindung zudem was bei der Jugend in der Stadt passiert.

00:11:36: Das Gefühl übergangen zu werden?

00:11:38: Protest gegen Willkür-Herrschaft und Menschenrechtsverletzungen, zum Beispiel auch bei geschlechtsspezifischer Gewalt.

00:11:44: Das verbindet dann junge Menschen aus ganz unterschiedlichen

00:11:46: Regionen.".

00:11:47: Es gibt neben den flachen Hierarchien und der Vernetzung durchs Internet.

00:11:51: noch eine weitere Gemeinsamkeit der Gen-Sie-Proteste – wir haben im Zitat ganz am Anfang schon gehört dass die kreativen künstlerischen Protestformen eine wichtige Rolle gespielt haben.

00:12:03: Hast du dafür Beispiele Franziska?

00:12:05: Ja, wir haben ja schon gehört in Nepal ist jetzt ein Rapper-Regierungschef.

00:12:08: Ist ja auch schon ungewöhnlich und der hat seine politischen Botschaften und Forderungen in den Liedern eben mit Poesie, mit persönlicher Emotionen verbunden und das ist ja oft wirkungsvoller als sachliche Argumente.

00:12:20: Und diese Strategie wird in Jensy Protesten viel genutzt Auch weil es heute natürlich mit einem Smartphone super einfach ist so einen Videoclip oder ein Song irgendwie aufzunehmen.

00:12:30: Und die Kreativität ist dann auch von online zu offline, also in der Realität übergeschwappt.

00:12:37: In dem Gensidosier von der Böllstiftung gibt es einen Text mit Beispielen aus Bangladesch.

00:12:42: from screens to streets heißt er.

00:12:45: In Bangladesch haben regierungskritische Graffitis und Cartoons und Poster im Straßenbild eine ganz wichtige Rolle gespielt.

00:12:52: Zum Beispiel ist mir in Erinnerung geblieben ein Wandbild von einer Studentin, die stellt sich mutig vor einen Polizeitransporter auf dem Protestierende festgehalten werden.

00:13:01: Es gibt auch Performances, Theaterstücke Konzerte also wirklich ne ganz große Bandbreite von Ausdrucksformen.

00:13:08: Diese Formen haben Menschen anders erreicht, sagt Nimesiri Emitomo.

00:13:13: Die hat die Justice for Ochania-Proteste in Nigeria erforscht.

00:13:16: Da gab es zum Beispiel einen Spielfilm zum Thema sexualisierte Gewalt gegen Frauen mit dem Titel Dry von der Regisseurin Stefanie Linus, der ist regelrecht viral gegangen.

00:13:32: Ich glaube, es war wichtig Informationen über diesen Fall auf kreative Weise zu verbreiten.

00:13:38: Damit die Leute sich in Nocania's Lage versetzen können.

00:13:42: Das hat uns geholfen, die Menschen zu berühren – sie tief im Innersten zu erreichen und ihnen zu sagen «Schaut hin!

00:13:49: Das könnte ihr sein, das könnte jeder sein».

00:13:52: Sie ist doch nur ein

00:13:53: Kind.".

00:13:54: Und ich

00:13:56: habe noch ein anderes Beispiel aus Nigeria dabei.

00:13:59: Spoken Word-Poetry von Love is Liberty, in dem Titel In Another Story entwirft sie eine Art Gegenutopie von einem Land, in den die Regierung zum Wohlstand aller beiträgt und Träume und Ideen wachsen

00:14:12: können.".

00:14:18: because

00:14:24: government

00:14:24: policies were manure

00:14:26: enough.

00:14:27: And so we planted our dreams

00:14:29: and ideas right here, setting it to sprout here in another story.

00:14:35: Our reality was no nightmares.

00:14:39: I did mother write poems.

00:14:40: you did mother writes songs cause we knew that the change we're looking for is on next line of action not a hashtag.

00:14:56: Ein Ausschnitt aus In Another Story von Love Is Liberty.

00:15:00: Wir verlinken das ganze Video dann auch in den Shownotes.

00:15:03: Das waren jetzt zwei Beispiele von Frauen, kann man sagen dass Frauen insgesamt eine prägende Rolle bei den Jensi-Protesten hatten oder immer noch haben?

00:15:18: Die war eine wichtige Identifikationsfigur in der Protestbewegung, obwohl sie schon über siebzig ist.

00:15:23: Also die ist überhaupt kein bisschen Gen Zee aber sie galt als Integra.

00:15:26: Sie hat sich als Richterin gegen Korruption eingesetzt.

00:15:29: das wäre jetzt ein sehr herausragendes Beispiel für ne Frau In Bangladesch, wo Grafitis im öffentlichen Raum eine wichtige Rolle gespielt haben.

00:15:37: Da war auffällig das Frauen sowohl im Bild – also die wurden dargestellt waren da zu sehen wie dieses Schulmädchen.

00:15:44: aber Frauen haben auch selber gemalt und haben gesprayed und das war bei früheren Protestbewegungen eher Männersache.

00:15:51: Und auch in Nigeria spielen Frauen eine wichtige Role als Trägerinnen der Bewegung als inhaltliche Impulsgeberinnen und auch als Symbolfiguren wie eben die getötete Ochania.

00:16:02: Ein möglicher Grund dafür, dass die Frauen da so präsent sind könnte sein das die Gen-Z Bewegungen im Netz dezentral und damit nicht hierarchisch organisiert werden.

00:16:11: Und damit schaltet man die institutionelle Diskriminierung, die es eben oft gibt in Patriarchat aus.

00:16:17: Da sind ja Frauen weltweit davon betroffen gerade in Parteien und Organisationen.

00:16:22: Und diese nicht hierarchische Art sich zu organisieren, die knüpft an Strategien an.

00:16:26: Die unter intersektionalen Feministinnen schon lange praktiziert werden.

00:16:30: Auch deswegen sind Frauen und die Gen-Z-Proteste so ein gutes Match.

00:16:38: Flache Führungsstrukturen sind eine typische feministische Organisationsform, zum Beispiel beim Alter.

00:16:45: Wir sind der Ansicht dass Menschen unterschiedlichen Alters über unterschiedliches Wissen, unterschiedliche Fähigkeiten und Erfahrungen verfügen die sie in die Organisation einbringen können.

00:16:57: Es ist sehr wichtig alle mitzunehmen.

00:17:02: Nemisiri Emitomo, die ist selber neunundzwanzig Jahre alt.

00:17:06: Also die ist so ein bisschen an der Grenze zur älteren Generation Y und das ist auch spannend.

00:17:11: durch die dezentrale Organisation sind die Bewegungen viel schwerer zu überwachen, viel schwerere Anzugreifen zum Beispiel von den Geheimdiensten weil es eben nicht denen einen Anführer oder die Anführerin gibt, die man mal ebenso ausschalten kann und das macht dem Protest widerstandsfähiger.

00:17:26: Resilienz, sagst du Franziska ist ein wichtiger Faktor bei allen Protestbewegungen auch mit Blick auf die OrganisatorInnen.

00:17:35: Ja wie stellt man denn nun sicher das Menschen, die über einen langen Zeitraum Zeit und Energie aufbringen dabei ja nicht ausbrennen und trotzdem immer weitermachen?

00:17:45: Darüber hast Du mit Nemisiere Imitomo hier auch gesprochen oder?

00:17:49: Genau hören wir mal einen Ton von ihr dazu!

00:17:53: Ich könnte den ganzen Tag über Burnout reden, denn ich war früher Ersthelferin bei fällen sexueller Gewalt und es gibt so etwas wie ein sekundäres Trauma.

00:18:04: Deshalb haben wir in der Bewegung auch ältere Mentorinnen die uns erzählen was sie durchgemacht haben.

00:18:10: So kann man sich darauf einstellen.

00:18:12: das beugt Burnout vor sorgt für Nachhaltigkeit unvermittelte einem zudem dass Fachwissen zu Meistern, die auch die ältere Generation durchgemacht hat.

00:18:24: Und für die älteren Generation sind die jungen Leute, die sich sehr gut mit digitalen Medien auskennen – im Grunde genommen in der Lage das institutionelle Gedächtnis mit ihren eigenen digitalen Fähigkeiten zu

00:18:37: unterstützen.".

00:18:41: Das war jetzt die Perspektive der Organisation.

00:18:44: Wie ist es denn bei den Inhalten?

00:18:47: in Nigeria, bei Justice for Ochania ging es ja vor allem um Femizid?

00:18:51: In anderen Ländern hast du erzählt eher um die wirtschaftliche Situation und Perspektivlosigkeit der Jugend.

00:18:59: Wurde die Diskriminierung von Frauen da explizit mit benannt?

00:19:04: Nicht immer und nicht unbedingt!

00:19:06: Es geht ja bei den Protesten im Kern um soziale Ungleichheit.

00:19:11: Frauen haben durch ihr Engagement dann oft Themen wie reproduktive Gerechtigkeit, Selbstbestimmung und Teilhabe eingebracht.

00:19:18: Auch deshalb weil sie ein besonderes sensibles Gespür für Ungleichheiten und die Konsequenzen

00:19:23: haben.".

00:19:28: Es

00:19:28: sind immer Frauen, die sich da draußen engagieren – das liegt daran dass Frauen wissen wenn es hart auf hart kommt, sind sie immer am stärksten betroffen.

00:19:38: Ein Beispiel Wenn es einen Krieg gibt, gelten Frauen als Kriegsbeute.

00:19:42: Wenn es wirklich schlimm wird kann es uns sexuell auf sehr gewalttätige Weise furchtbar treffen.

00:19:48: Frauen haben niemanden der für sie spricht außer sich selbst und ganz wenige männliche Verbündete.

00:19:55: Deshalb sind das immer Frauen die sich engagieren.

00:20:03: Gleichzeitig sind weiblich gelesene Personen in Zeiten von Chaos und Umbruch, und es sind ja Proteste natürlich auch besonders vulnerable.

00:20:11: Also in Nepal gab es zum Beispiel Gerüchte die viele Frauen beunruhigt haben und die sie vielleicht auch davon abgehalten haben ihre kritische Meinung zu äußern und auf die Straße zu gehen.

00:20:20: Das hat mir die Studentin- und Jugendrechteaktivistin Sanskriti Pandey erzählt.

00:20:27: Es gab

00:20:30: Ausbrüche aus den Gefängnissen.

00:20:32: Die Leute hatten Angst, weil sie keine Ahnung hatten, wer da ausgebrochen war – ob vielleicht Vergewaltige entkommen sind oder Gewalttäter.

00:20:40: und es gab Desinformationen zum Beispiel dass Leute aus dem Gefängnis kommen und Mädchen vergewaltigen.

00:20:46: Ich selbst war vielen schockierenden Videos ausgesetzt und habe erst später herausgefunden das sich um altes Videomaterial handelt.

00:20:54: Er herrschte also große Angst unter den Frauen, weil ihnen gezielt Angst vor Vergewaltigung tot und alle möglichen gemacht wurde.

00:21:07: Da könnte man sagen das ist natürlich auch ein Nachteil daran dass sich die Gen-Z so sehr übers Internet vernetzt und kommuniziert.

00:21:14: es können da eben auch schnell falsche Informationen verbreitet werden die dann gar nicht so leicht zu erkennen sind.

00:21:19: Das kann ich mir gut vorstellen.

00:21:21: Über die Gen-Z-Proteste wurde viel berichtet, auch in deutschen Medien.

00:21:26: War das Engagement der Frauen da auch ein Thema?

00:21:29: Das ist ein wichtiges Thema was du da ansprichst – die Repräsentation.

00:21:32: Also letztendlich wer kann sich das am Ende als Erfolg anrechnen wenn Protest erfolgreich ist und wenn es vielleicht eine neue Regierung gibt oder sogar einen Regierungswechsel.

00:21:42: Sanskriti Pandey hat beobachtet dass in Nepal Frauen sehr engagiert waren in der Organisation Aber nicht zwingend in Anführer-Positionen.

00:21:51: Also die Menschen, die dann zum Beispiel in Medien interviewt werden waren vielleicht eher Männer.

00:22:01: Natürlich

00:22:01: werden vor allem in Führungspositionen noch viel mehr Männer wahrgenommen.

00:22:06: Aber es gibt auch Frauen, die den Protest angeführt haben.

00:22:10: Diese Bewegung hat dazu beigetragen, dass es die erste Prämieministerin Nepals überhaupt gab.

00:22:16: Aber ich habe das Gefühl, man muss generell viel tun um wahrgenommen zu werden.

00:22:22: Man muss prominent sein, um wahr genommen zu werden mehr in Richtung Inklusion bewegt.

00:22:30: Es gibt mehr Ministerinnen, aber das heißt nicht unbedingt dass sie auch unsere Interessen

00:22:35: vertreten.".

00:22:38: Ja ich höre da ziemlich viel Zuversicht, aber gleichzeitig auch so ein Appell wachsam zu bleiben sich eben nicht zu früh zu freuen – auch wenn der Regierungswechsel tatsächlich geglückt ist!

00:22:50: Ja, den Eindruck habe ich auch.

00:22:51: Also die Frauen mit denen ich geredet hab, die sind sich auch sehr bewusst dass es weltweit aktuell eher ein Rollback gibt in Sachen Frauenrechte also das einmal erkämpfte Rechte wieder rückgängig gemacht werden.

00:23:02: Ein gutes Beispiel für diese Spaltung wäre Bangladesh.

00:23:05: Hier wurden die Proteste ganz maßgeblich von Studentinnen getragen und die waren auch erfolgreich.

00:23:10: Che Casina Das ist übrigens die am längsten Regierende Prämiministerin der Welt.

00:23:15: Die wurde am fünften August zwei tausend vierundzwanzig abgesetzt.

00:23:18: Dann gab es einen politischen institutionellen Arm der Proteste, die National Citizen Party.

00:23:24: Und deren Führung ging aber bei den Neuwahlen eine Koalition mit der größten islamistischen Partei in Bangladesh ein.

00:23:31: Das hat dann dazu geführt dass sich viele feministisch orientierte Protestierende nicht mehr repräsentiert gefühlt haben von dieser Partei und die hatten dann auch keine Chance in politische Ämter zu kommen.

00:23:41: Mit Nimisiri Emitomo habe ich auch über die Frage von weiblicher Repräsentanz gesprochen.

00:23:47: Sie hat für ihren Text, für das Gensidusje verschiedene Aktivistinnen aus der Justice for Oceania Bewegung interviewt und hat daraus Empfehlungen abgeleitet.

00:23:56: Also auch für andere Jugendproteste in anderen Ländern.

00:23:59: Eine der Aktivisten war Ololade Ajayi die in Nigeria eine Plattform zur Dokumentation und Unterstützung bei geschlechtsspezifischer Gewalt betreibt.

00:24:11: Ololade hat in unserem Interview gesagt, dass sie zwar männliche Verbündete einbeziehen Aber sehr darauf achten, dass die Männer nicht zum Gesicht der Bewegung werden.

00:24:23: Ich denke, die Frauen, die die Proteste anführen haben die Deutungshoheit fest im Griff.

00:24:28: Sie werden nicht zulassen, dass irgendjemand sie ins Abseits drängt und genau deshalb habe ich diesen Artikel geschrieben um sicherzustellen das die Frauen die die Führung übernehmen als die Anführerinnen der Bewegungen anerkannt

00:24:41: werden.".

00:24:47: Und das Gen-Sie-Dossier, das hier in diesem Podcast nun schon häufiger erwähnt wurde.

00:24:51: Das verlinken wir euch selbstverständlich in den Shownotes!

00:24:55: Danke dir Franziska für diesen Deep Dive in die Jugendproteste und zum Schluss hast du uns noch ein Stück mitgebracht Spoken World Poetry aus Nigeria – das Ende von In Another Story performt von Love with Liberty.

00:25:22: Und

00:25:36: hier noch ein Hinweis auf unsere nächste Folge Böl Podcast.

00:25:39: Thema dann, organisierte Kriminalität in Lateinamerika und diese Folge erscheint am XXI.

00:25:46: Mai.

00:25:47: Noch mehr Folgen von BölPodcast findet ihr.

00:25:51: Wenn ihr Fragen und Anregungen habt, schreibt uns an podcastatböll.de.

00:25:56: Ich bin Mende Schirke vom Audio-Kollektiv.

00:25:59: Vielen Dank fürs

00:26:08: Zuhören!

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